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Glaube im Alltag
Glück, Pech, wer weiß?

FOTO: (m_kreis )
Wenn die Dinge im Leben gut laufen, wir und unsere Lieben nicht von Krankheiten geplagt sind, finanziell alles im Lot ist, müssten wir eigentlich zufrieden und dankbar sein. Leider ist dem aber nicht immer so, und wir nehmen diesen Zustand oft als selbstverständlich wahr.


Jedoch wenn die Lebensumstände in die andere Richtung laufen, empfinden wir es sehr schnell als Zumutung, verzweifeln an Gott und der Welt und fühlen uns im Stich gelassen. In einer solchen Krise gelassen zu bleiben und nicht mit dem Schicksal zu hadern, bleibt eine der größten persönlichen Herausforderungen.
Eine chinesische Geschichte will uns dazu ermuntern und fordert zu einem Wechsel der Blickrichtung auf: Einem alten Bauern, der für die Feldarbeit nur ein altes Pferd hatte, entfloh dieses in die Berge. Als alle Nachbarn ihn deswegen bedauerten, sagte er: "Glück? Pech? Wer weiß?" Eine Woche später kehrte das Pferd mit einer Herde Wildpferde aus den Bergen zurück. Die Nachbarn gratulierten ihm. Er aber meinte wieder: "Glück? Pech? Wer weiß?" Als der Sohn versuchte, eines der Pferde zu zähmen, fiel er vom Rücken und brach sich ein Bein. Die Leute bedauerten ihn deswegen, er aber meinte wiederum: "Glück? Pech? Wer weiß?" Ein paar Wochen später marschierte die Armee ins Dorf und zog jeden gesunden jungen Mann ein, den Sohn mit dem gebrochenen Bein ließen sie jedoch zurück.
War das nun Glück? Pech? Wer weiß? Vielleicht stellen wir auch in unserem Leben fest, dass manches vermeintliche Pech doch nicht so schlimm war und uns sogar weitergebracht hat. Denn angenehme Erfahrungen machen das Leben scheinbar leichter, schmerzliche bringen Wachstum und Reife. Der Bericht eines Entwicklungshelfers aus Ruanda, der eine bettelarme Familie mit zwei kranken Kindern mit Hungerbäuchen zu betreuen hatte, sollte uns aufrütteln. "Was würdet ihr machen", fragte er die Eltern, "wenn Jesus vor euch stünde und ihr dürftet ihm nur eine Frage stellen?" Die Frau antwortete: "Ich würde ihn fragen, ob er mit der Art und Weise, wie ich ihm nachfolge, zufrieden ist." Und der Mann: "Ich würde nichts fragen, ich würde ihn an den Händen fassen und mit ihm tanzen."

Paul Plehacz, Lehrer im
Ruhestand