1. Meinung

Heilige Geistin – die weibliche Seite Gottes

Glaube im Alltag : Heilige Geistin – die weibliche Seite Gottes

Bei Renovierungsarbeiten in der St. Jakobus-Kirche in Urschalling/Chiemgau wurde die hier abgebildete Freskodarstellung der Dreifaltigkeit Gottes (Vater, Sohn und Heiliger Geist)  von 1390 entdeckt.

Auf der rechten Seite steht ein weißhaariger Greis mit Bart. Auf der linken Seite eine Gestalt mittleren Alters. In der Mitte ist die jüngste Person zu entdecken mit weichem Gesicht. Die langen Haare fallen über die beiden Schultern und das bräunlich lange Kleid ist unter der Brust zusammengerafft. Unter einem weiten Halsausschnitt werden Brüste sichtbar.

Auf faszinierende Art versucht der Künstler, den dreifaltigen Gott darzustellen. Die Einheit Gottes wird durch die Zusammenführung in einem Körper hervorgehoben. Die Dreiheit der Personen wird in den Häuptern zur Einheit durch den je einen hellen Strahl in jedem Heiligenschein. In der Mitte eindeutig eine Frau: Heilige Geistin – die weibliche Seite Gottes! Im Hebräischen und Griechischen sind die Worte für „Geist“ – „Ruach“ und „Pneuma“ - weiblich.

Von Gott können wir nur in menschlichen Bildern und Symbolen sprechen. Unsere Gottesvorstellungen ändern sich, da sie zeit- und kulturgebunden sind. Aus den Schöpfungserzählungen entnehmen wir, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat. Unsere Geschlechtlichkeit ist eines unserer Wesensmerkmale.

Außerdem ist es nicht gut, dass der Mensch allein ist. Wir sind auf den Mitmenschen, auf Kommunikation, auf Gemeinschaft hin angelegt. Also können wir uns auch Gott nicht als etwas Einsames, nur auf sich Bezogenes vorstellen. Die Vorstellung von der Dreifaltigkeit hilft, sich Gott in Bezogenheit, in Kommunikation zu denken. Wenn die Liebesbeziehung zwischen Gottvater und seinem Sohn Jesus sich im Heiligen Geist ausdrückt, weshalb soll dann der Heilige Geist nicht als Frau, als das Weiblich-Göttliche symbolisiert werden? Dieses Fresko eines mittelalterlichen Künstlers kann unser Denken von Einengungen durch dogmatische Formeln befreien.