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Glaube im Alltag
Heiliges Streiten

Glaube im Alltag
Glaube im Alltag FOTO: TV / privat
Am Freitag gab es in der Kirche etwas Besonderes zu feiern: Das Fest Peter und Paul.

Zwei große Heilige der frühen Kirche, Apostelfürsten. Besonders in Rom ist das ein großer Feiertag – dort befinden sich auch die Gräber beider Apostel und der Papst steht in der Nachfolge des heiligen Petrus. Grund zum Feiern. Soweit so gut.

Aber die beiden stehen auch noch für etwas anderes: nämlich, wie man streitet!

Das Miteinander der beiden war keineswegs immer so harmonisch  wie wir es gerne glauben!

Die beiden haben ordentlich gestritten! Es war ein Ringen um die Zukunft der jungen Kirche: Was ist wesentlich? Wie gehen wir miteinander um?

Davon gibt uns Paulus selbst ein Zeugnis.

Im Brief an die Galater (Gal 2,11) heißt es: „Als Kephas (Petrus) aber nach Antiochia gekommen war, habe ich ihm ins Angesicht widerstanden, weil er sich ins Unrecht gesetzt hatte.“

Konkret ging es um die Frage, ob und wie Judenchristen mit Heidenchristen Umgang pflegen dürfen.

Diese Frage ist für uns heute nicht mehr relevant - aber die Streitkultur der beiden ist bemerkenswert. Paulus sagt: „ich habe ihm (Petrus) ins Angesicht widerstanden“!

Das klingt nach einem ernsten Konflikt, der aber offen ausgetragen wurde. Von Angesicht zu Angesicht sozusagen. Das braucht Klarheit und Mut. Und da können wir was von lernen.

Schaue ich in die Welt von heute sehe ich auch viele Konflikte: der Kommunionstreit der deutschen Bischöfe untereinander und mit dem Vatikan, die Koalition in Berlin und das Ringen in der Flüchtlingsfrage, und, und, und. Auch hier wird mehr oder weniger offen gestritten, von Angesicht zu Angesicht sozusagen.

Aber das wird zur Ausnahme. Wie viel an Konflikt wird heute nur noch verdeckt ausgetragen? Quasi anonym im Internet, zum Beispiel via Facebook. Da wird ordentlich mit Dreck geworfen. Nicht mehr offen gestritten, nicht mehr von Angesicht zu Angesicht diskutiert. Dann müsste man ja auch aus seiner Deckung hervortreten. Wollen aber viele nicht. Feige!

Aus der Deckung kann man gut mit Dreck werfen – aber das offenbart auch eine charakterliche Schwäche. Das ist keine gute Entwicklung - scheint aber in Mode zu kommen.

Streiten ist wichtig! Ohne Auseinandersetzungen kommen wir nicht weiter. Ob in der Kirche oder außerhalb! Aber auf die Art und Weise kommt es an. Und die sollte offen sein, ehrlich, mit Anstand und Respekt. Am besten von Angesicht zu Angesicht! Das würde manches vereinfachen.

Das meint

Ihr Pastor Thomas Weber
Pfarreiengemeinschaft Bitburg