Glaube im Alltag : Heilsam

Heilsam

Natürlichkeit hat heute einen hohen Stellenwert. Überall werden Heilverfahren auf natürlicher Basis angeboten, und Bioprodukte erfreuen sich großer, ja immer noch wachsender Beliebtheit.

Auch die Kirche war über Jahrhunderte mit der Natur eng verbunden. Unzählige Rezepte gehörten zu ihrem Überlieferungsschatz, von den Dinkelrezepten einer Hildegard von Bingen über die Braukunst der Benediktiner bis hin zu den Likören der Kartäuser.

Das Fest Mariä Himmelfahrt, das die Kirche heute feiert, steht ganz in dieser Tradition. Hier ist es seit Jahrhunderten üblich, Krautwische zu binden, die allesamt aus vielerlei Heilpflanzen und Heilkräutern bestehen und an die Gläubigen verteilt werden. Welcher tiefere Sinn ist damit eigentlich verbunden? Maria als die Mutter des Erlösers ist in dieser Lesart der Tradition auch immer das Symbol eines ganzheitlichen Heils von Leib und Seele. Und dazu dienen die Heilkräuter, die an diesem Tag gesegnet und verteilt werden.

Und so steht an diesem Festtag das Heil von uns Menschen im Mittelpunkt des Festinhaltes. Und gemeint ist damit der Kern unseres christlichen Glaubens. Gott will uneingeschränkt, dass wir heil werden, und zwar ganz und gar und mit Leib und Seele. Deshalb ist Jesus Mensch geworden aus der Jungfrau Maria. Und so ist es auch Maria, die an diesem Tag auf diese Weise geehrt wird. Und deswegen ist sie nach unserem Glauben mit Leib und Seele in den Himmel aufgefahren – eben als die vollkommen Vollendete und Glückliche.

Und dieses Heil gibt es nur im Einklang mit der Schöpfung, nicht neben ihr und auch schon gar nicht gegen sie. Auch daran erinnert uns das Fest Mariä Himmelfahrt. Die Natur kann ihre heilende Kraft nur entfalten, wenn sie selber heil ist. Hier beginnt dann wieder unsere Verantwortung, mit der Schöpfung pfleglich umzugehen und sie zu behüten, auf dass wir sie noch lange bewahren können.

Ganz- und Heilwerden berührt die Ur-Sehnsüchte von uns Menschen. Das Fest Mariä Himmelfahrt lädt uns dazu ein, dieser Hoffnung ein Gesicht zu geben und daran zu glauben, dass dies auch für uns möglich ist.