1. Meinung

„Heimsuchung“

Glaube im Alltag : „Heimsuchung“

Eine Plage, ein Virus, hat die ganze Welt „heimgesucht“. Durch die Quarantäne mussten wir zwangsweise in unseren Heimen und Häusern bleiben, uns selbst aushalten. Bei manchem löste das ein Gefühl von Freiheitsentzug aus, bei manchem auch eine neue Nachdenklichkeit – über den Sinn und die Begrenztheit des Lebens, über durchkreuzte Pläne, über die wechselseitige Angewiesenheit und Verbundenheit von allem mit allem.

Wenn eine Pandemie die Menschheit in Angst und Not stürzt, dann stellt sich plötzlich die Frage nach Gott neu. Wir sind nicht unsterblich, wir sind nicht unverwundbar, nicht die Herren der Welt. Wohlstand, Wissenschaft, Technologie und Medizin haben viele überheblich, arrogant – und glaubenslos – gemacht. Für alle, Gläubige und Nicht-Gläubige, sind die „Zeichen der Zeit“ ein deutlicher Fingerzeig: „Kehrt um und glaubt dem Evangelium!“, heißt es in Markus 1,15. Vermag der „moderne“ Mensch diesen Sprung für Verstand und Herz noch zu wagen?

Am 2. Juli war das Fest Mariä Heim­suchung: Maria sucht und findet in ihrer für die Dorfmitbewohner suspekten Schwangerschaft Zuflucht bei ihrer Verwandten Elisabeth. Die Begegnung der beiden Frauen wird zu einer Erfahrung der Glaubensstärkung und -freude. Mit Maria und ihrer Familie in Nazareth hat die Kirche zu existieren begonnen, dann mit den Aposteln im Pfingstsaal und später in den Häusern der ersten Christen in Hausgemeinden. Ist jetzt nicht der Moment, daran anzuknüpfen? Mit Maria neue Formen zu finden, wie zuhause, in der Familie, als Einzelne, mit anderen, in Haus- und Familienkreisen, in weltumspannenden (digitalen) Gebetsaktionen der Glaube gelebt werden kann: Häuser und Wohnungen sind „Kirchorte“ – nah am Alltag und am Menschen und seinem Bedürfnis nach Kommunikation.