1. Meinung

Glaube im Alltag: In allem Begegnung feiern...

Glaube im Alltag : In allem Begegnung feiern...

Immer wieder gibt es Wendungen im Leben, größere und kleinere. Einige sind freiwillig gewählt, häufig sind sie vom Leben vorgegeben. Ob es das Bangen zwischen Gesundheit und Krankheit ist, der Wechsel oder das überraschende Ende eines Arbeitsverhältnisses, unerwartet sich ändernde Beziehungskonstellationen...

Das eigene Leben verläuft nicht immer nach dem selbst erdachten Fahrplan und hält Überraschungen bereit. Ignatius von Loyola ermutigt uns zur „Indifferenz“ – zu einer Haltung der Offenheit und des Vertrauens. Zu einer Demut, die Gott auch im vermeintlich „Elend“ nicht die Freiheit nimmt, mich zum „Guten“ führen zu wollen. Ein Text von Pater Alfred Delp SJ, geschrieben 1944, konkretisiert dies und ermutigt, diese Haltung des Vertrauens wachzuhalten und zu üben. Ich erfahre den Text als Ermutigung, Empfindungen eine wirkliche Bedeutung zukommen zu lassen, ohne sie vorschnell in die eigenen Vorstellungen von Gott und vom Leben einordnen zu müssen. Ein recht anspruchsvoller Gedanke, der wohl leichter im Rückblick Zustimmung findet. Aber er spricht eben auch von der tiefen Hoffnung, dass ich mich dem Leben in seiner ganzen Vielfalt öffnen und hinein in eine neue Freiheit wachsen kann.

Die Welt ist Gottes so voll.

Aus allen Poren der Dinge quillt uns dies gleichsam entgegen.

Wir aber sind oft blind.

Wir bleiben in den bösen und in den schönen Stunden hängen.

Wir erleben sie nicht durch bis zu dem Punkt, an dem sie aus Gott hervorströmen.

Das gilt für das Schöne und auch für das Elend.

In allem will Gott Begegnung feiern und fragt und will die anbetende, liebende Antwort.

Dann wird das Leben frei in der Freiheit, die wir so oft gesucht haben.