1. Meinung

Johannes Jaax zu Fronleichnam

Fronleichnam : Brot für Leben

Die Katholiken feiern Fronleichnam, machen festliche Prozessionen mit Fahnen, Musik und viel traditionelles, fast volkstümliches Brauchtum. Und in der Mitte der Priester mit der Monstranz unter einem tragbaren Himmel.

Warum? Ein Erklärungsversuch:

Ein englischer Journalist kaufte sich ein Dreipfundbrot und stellte sich damit an belebte Straßenecken verschiedener Städte. Die Vorübergehenden forderte er auf, für dieses Brot eine Stunde zu arbeiten. Seine Ergebnisse: In Hamburg wurde er ausgelacht. In New York von der Polizei festgenommen. Im afrikanischen Nigeria waren mehrere Personen bereit, für dieses Brot drei Stunden zu arbeiten. Im indischen New Dehli hatten sich rasch mehrere Hundert Personen angesammelt, die alle für dieses Brot einen ganzen Tag arbeiten wollten.

Wenn schon einfaches Brot solch verschiedene Reaktionen auslösen kann, wie ist es dann, wenn die Katholiken am Fest Fronleichnam das Kostbarste, das sie haben, durch die Straßen tragen – ein kleines Stückchen Brot in einem kostbaren Zeigegefäß, der Monstranz. Denn sie glauben an die geheimnisvolle Gegenwart Jesu Christi in diesem Brot. Es ist für sie das Brot des Lebens. Das Tragen dieses Brotes durch die Straßen soll keine Provokation sein, sondern einfach Ausdruck unseres Glaubens.

Dieses Brot weist darauf hin, dass Essen und Trinken allein nicht genügen, um unseren Lebenshunger zu stillen. Es steht für Hingabe, verkörpert das Füreinanderdasein, eigentlich all das, wofür sich dieser Jesus eingesetzt hat, um Menschen Leben zu ermöglichen, zusammengefasst in dem einen Wort: Liebe. Das Brot in der Monstranz weist darum auf, was wir Christen auf dem Weltmarkt der Weltanschauungen und Religionen anzubieten haben, die Orientierung am Leben Jesu.

Wir schauen auf ihn, auf das Beispiel seines Lebens. Er ist zum Weizenkorn geworden, das stirbt und neues Leben bringt. Brot für Leben, Leben für Brot. Darum zeigen wir dieses Brot den Menschen, es ist unsere Gabe und es ist unsere Aufgabe.