1. Meinung

Karsamstag - ein Tag mit vielen Facetten

Religion : Karsamstag – ein Tag mit vielen Facetten

Unser Leben wird im Jahreskreis durch Feste und Gedenktage strukturiert. Neben den meist kirchlichen Festtagen sind es unsere persönlichen Gedenktage, die den Takt des Jahres angeben. In den letzten Jahren schwollen die Gelegenheiten sich auf Festen zu amüsieren immer mehr an.

Feste verloren den Charakter des Besonderen, auf das man sich lange vorbereitet, freut, hinlebt. Plötzlich hat Corona gerade diese Möglichkeiten voll ausgebremst. Vielleicht liegt darin auch die Chance, den eigentlichen Sinn von Festen wieder genauer in den Blick zu nehmen. „Ein Fest feiern heißt, die immer schon und alle Tage vollzogene Gutheißung der Welt aus besonderem Anlass auf unalltägliche Weise begehen“, so der Philosoph Josef Pieper. Das Fest der Feste ist für Christen Ostern. Ein erneuter Verzicht auf Gottesdienste in den Kar- und Ostertagen trifft Gläubige ins Mark. Der letzte Tag der Vorbereitung auf Ostern ist der Karsamstag. Dieser Tag liegt auf der Schnittstelle zwischen Tod und Leben, zwischen Passion und Osterjubel. Für Christen ist mit Jesus von Nazareth die Gegenwart Gottes schon angebrochen, aber noch nicht vollendet. Im Karsamstag wird dieses „Schon und Noch-Nicht“ manifest. Wie nach dem langen Winter der Frühling durchbricht, bricht sich mit Ostern die Hoffnung auf ein Leben über den Tod hinaus mit Christus Bahn.

In meinem Leben verdichtet sich in diesem besonderen Tag Vieles, er ist mit denkwürdigen Erinnerungen verbunden. So durften wir als Kinder um 12 Uhr zum Ende der Fastenzeit das Marmeladenglas hervorholen, in dem wir die Bonbons gesammelt hatten. Als Jugendlicher bin ich an diesem Tag häufig mit dem Rad in die Heimatstadt meiner Eltern geradelt, um das Grab der Großeltern zu besuchen und Verwandten Osterkuchen zu bringen. Und im vergangenen Jahr durfte ich an Karsamstag die Reha verlassen. In diesem Jahr bekommt die Charakterisierung dieses Tages als Grabesruhe eine ganz neue Bedeutung. Lassen wir aus der Osterbotschaft die Hoffnung und Geduld erwachsen, die augenblicklich schweren Zeiten zu bestehen. Gesegnete Ostern!