Kolumne Eifel-Einsichten

Kolumne Eifel-Einsichten : Zicklein, Zicklein

Der große Niederprümer Humorist und Menschenfreund Josef Hupperts stürmte vor einiger Zeit die Redaktion (er stürmte sie so sanft, wie das nur Josef kann) und hieß mich umgehend eine Eifeler Wendung niederschreiben, die er so schön fand, dass ich sie, meinte er, euch, oh Lesern, nicht vorenthalten dürfe.

So tat ich umgehend, wie er mich hieß, und ich dachte: Das darfst du den Lesern nicht vorenthalten. Und der Zettel verschwand. Bis, ja, ich ihn erst jetzt zu Hause (wie kam der denn da hin?) auf der Fensterbank im Obergeschoss (müsst’ auch mal aufgeräumt werden. Die Fensterbank. Hm. Und das Geschoss.) wiederfand. Eine Fügung, denn der Spruch passte nie besser als heute, wo alle nur noch die Hassfratze aufhaben – also zumindest die, die im Internetz so unterwegs sind und sich dabei pernament ... pardon, permanent in ihrer Leitkultursprache verlaufen.

Wo früher, maximal, allerhöchstens, mal aufgeregt diskutiert wurde ... ach ja: Diskutieren, Kinder, das ist, wenn der eine so denkt und der andere aber so, also anders, und die dann im Gespräch (ich weiß, schnarchi, langweilig) oder gar einem Disput aufeinander losquatschen und bisschen zanken (was der Eifeler dann Tespetieren nennt, wegen, eben, Disput), sich aber am Ende dann, nachdem sie einander mehrfach bescheinigt haben, mindestens „en Knall“ oder ein anderes Mentalgebrechen zu haben, zumindest einig werden, dass sie sich nicht einig werden, so eine Art Minimalkonsens, und dann ruft einer thekenwärts: „Tuste uns noch zwo Bier?“ ... und: Frieden. Von heute aus betrachtet, waren selbst zwei rhetorische Granatenwerfer wie Franz-Josef Strauß und Herbert Wehner (könnt ihr ja googeln) zivilisierte Lämmlein, die einander in liebevoller Abneigung umtanzten (von damals aus betrachtet eher nicht).

Lämmlein, genau, jetzt bin ich wieder in der Spur: zurück zu Josef. Mit dem Spruch, sagt er, beschreibe der Eifeler einen Menschen von tiefer Milde und Güte – einen Menschen also, der ein Gemüt habe, an dem man „en Zeckelchen dran souren loße kennt“, also ein Zicklein dran nüggeln lassen könnte. „Ist doch herrlich, oder?“, meine ich mich zu erinnern, Josef sagen gehört zu haben. Und, meine ich jetzt, würde uns mehr Milde nicht so langsam aber mal wirklich wieder guttun? Oh ja. Ich sag’s nur. Und schalte den Moralapostelmodus wieder aus. Und jetzt können die, die das wollen, wieder rumzicken. Ich hör nicht hin. Und stürme, ganz sanft, ins Wochenende, weil:

Et jit net jerannt.