1. Meinung

Konstanze Petry: Geben, warauf es ankommt

Glaube im Alltag : Geben, worauf es ankommt …

Im Evangelium des Sonntags berichtet Jesus von Schriftgelehrten, die es lieben, im Mittelpunkt zu stehen und sich an den Armen zu bereichern. Außerdem erzählt er von Reichen, die viel in den Opferkasten werfen, aber auch von einer Witwe, die ihren letzten Besitz opfert.

Dass die Schriftgelehrten nicht zum Wohle der Gesellschaft handeln, liegt auf der Hand. Für mich ergibt sich aber außerdem die Frage, wie viel man als Opfer darbringen sollte. Ist es gut, wenn Menschen, die nur wenig haben, ihren letzten Cent opfern? Sollten die, die viel haben, auch viel geben? Vielleicht könnte man sich ein Beispiel an den Kindern nehmen, die in den kommenden Tagen Laternen basteln und mit diesen durch die Straßen ziehen werden. Ihnen geht es nicht darum, im Mittelpunkt zu stehen oder Opfer darzubringen.
Wichtig ist es, Freude zu empfinden und diese auch weiterzugeben. Die Kinder tun dies vorbildlich. Sie basteln Laternen und lassen ein Licht erstrahlen, das auch unsere Herzen mit Wärme erfüllen kann.
Bereits im Mittelalter entzündeten Bauern im November auf den abgeernteten Feldern große Martinsfeuer, mit denen sie symbolisch das Feuer der Nächstenliebe schürten und die bösen Geister des Winters austrieben. Auch zu dieser Zeit höhlten Kinder bereits Rüben und Kürbisse aus, um in deren Außenhaut Sonne, Mond und Sterne zu schnitzen und eine Kerze hineinzustellen. Diese wurden dann in die Fenster gestellt oder auf einem Stock befestigt, um als Laterne zu dienen. So spielt das Licht auch heute noch eine Rolle: zum Beispiel bei den vielen Martinsfeuern in den nächsten Tagen und den Hunderten von Laternen der Kinder. Und genau diese Kinder geben viel mehr als jeder Reiche und jede Witwe. Sie teilen und bringen Wärme in unsere Gesellschaft: durch das Licht ihrer Laternen und die Freude auf ihren Gesichtern.
Vielleicht sollten wir öfter werden wie die Kinder und einfach das geben, worauf es wirklich ankommt, ohne uns den Kopf darüber zu zerbrechen, wieviel wir geben sollten.