1. Meinung

Glaube im Alltag: Lange Liebe

Glaube im Alltag : Lange Liebe

Die beiden schenken sich ein Lächeln. Dann schauen sie mich an. Und ich denke: Wenn Blicke sprechen können, dann unterhalten sich die beiden richtig gut. Die Vertrautheit fasziniert mich. Wie liebevoll, rücksichtsvoll, ja zärtlich sie miteinander umgehen.

Als hätten sie meine Gedanken erraten, sagt sie, „wir kennen uns schon lange, sehr lange!“ Und er ergänzt: „Bald sind wir sechzig Jahre verheiratet.“

Wow, denke ich, so lange. Dass es so etwas gibt? Eine so lange Liebe? Und vor allem – noch immer glücklich. Ohne dass die beiden das merken, machen sie mir Mut für mein Leben, für meine eigene Ehe. „Ach,  einfach ist das nicht immer“, sagt sie. „Manchmal diskutieren wir schon mal richtig miteinander. Aber das gehört dazu.“ „Wichtig ist nur“, sagt er und schmunzelt, „dass sie recht behält. Dann geht es mir auch gut.“

Während sie Kuchen schneidet, gießt er den Kaffee ein. Und ich muss an einen Satz aus dem ersten Johannesbrief der Bibel denken. Da steht: „Lasst uns nicht lieben mit Worten ... sondern mit Tat und mit der Wahrheit.“

Ich liebe dich – ist mal schnell gesagt. Aber wie man das umsetzt – das Lieben – in einer Beziehung, im Alltag, das ist das eigentlich Wichtige. Dass man eben auch tut, was man da sagt. Und es auch so meint, wie man es sagt. Also ganz wahr, ganz ernst, ganz liebend.

„Verheiratet zu sein, heißt auch, Kompromisse einzugehen und nicht immer nur an sich zu denken“, sagt er.  „Aber auch sich selbst treu bleiben muss man“, antwortet seine Frau. „Nur so kann es gehen. Liebe ist nicht nur rosarot, aber immer schön.“

„Wissen Sie, warum es bei uns so gut klappt?“, fragt er mich und gibt gleich selbst die Antwort: „Seit mehr als 50 Jahren esse ich alles, was meine Frau kocht!“ Stolz sagt er das. Da streichelt sie ihm über die Hand: „Weißt du, seit mehr als 50 Jahren koche ich auch nur das, was dir schmeckt.“