Kirche: Nachholbedarf wider Dankbarkeit

Kirche : Nachholbedarf wider Dankbarkeit

Manchmal verspüren wir einen großen Nachholbedarf in uns. Wir möchten Dinge tun, worauf wir schon lange Lust aber keine Zeit und kein Geld hatten. Der Traum vom schnellen Auto, die lang ersehnte Weltreise oder …

Bisher unerfüllte Wünsche wollen erfüllt und gelebt werden.

Den zehn Aussätzigen im heutigen Sonntagsevangelium geht es ähnlich. Jahrelang haben sie unter ihrer Krankheit gelitten, waren geächtet und hatten keinen Zugang zu den Vergnügen der anderen. Sie waren bereits lebendig tot. Und plötzlich ist alles anders, so als hätten sie einen Sechser im Lotto gewonnen. Durch die Begegnung mit Jesus werden sie gesund und dürfen wieder am normalen Leben teilnehmen. Da ist es doch klar, dass sie Nachholbedarf haben. All das, was sie während ihrer Krankheit verpasst haben, möchten sie nun nachholen. Da bleibt keine Zeit für den Blick zurück oder die Dankbarkeit für die neuen Chancen, die sich plötzlich auftun. Sie sind verflixt moderne Menschen, diese neun Aussätzigen; Leute, so wie Sie und ich. Wir beten oft nur, wenn es uns schlecht geht, wenn wir in einer Sackgasse stecken und keinen Ausweg mehr sehen. Glück ist selbstverständlich und nicht der Rede wert, auch nicht dankenswert.

Die Geschichte von den Aussätzigen ermahnt mich, dankbar zu sein, so wie der Eine, der zurückkommt und sich bei Jesus bedankt: Sei dankbar für die vielen Chancen, die sich dir bieten, denn du hast sie nicht verdient. Nimm dir ein Beispiel an dem Einen, der letztlich weiß, worauf es im Leben ankommt: Immer wieder zu danken.

Denn wir selbst haben und können nicht alles, sind angewiesen auf die helfende Hand oder das aufrichtende Wort eines anderen. Danke sagen, tut nicht weh, macht auch nicht krank. Im Gegenteil: Danken ist eine Haltung dem Menschen, dem Leben und Gott gegenüber.

Der Wunsch nach Nachholbedarf schließt die Dankbarkeit nicht aus. Beides darf sein und beides tut gut.

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