1. Meinung

Glaube im Alltag: Nächstenliebe – eine Utopie?

Glaube im Alltag : Nächstenliebe – eine Utopie?

Du als überzeugte Christin/überzeugter Christ hast doch geradezu die Aufgabe, dich gegen Missstände einzusetzen und für die Schwachen in unserer Gesellschaft stark zu machen! Derartige Aussagen, geradezu ja schon Forderungen mögen einige von uns sicherlich in ihrem Leben nicht nur einmal zu hören bekommen haben.

Was steckt dahinter, wenn Menschen ihre Augen verschließen vor den Nöten unserer Gesellschaft, sie geradezu aus dem eigenen Leben verbannen und sie den christlichen Helfern/innen zuordnen und meinen, sie selbst wären damit außen vor? Ich denke zum einen spielt dabei mittlerweile eine gewisse Abstumpfung gegenüber den Leiden auf dieser Welt eine Rolle. Die Vielfalt der Missstände hat den Pegel des Erträglichen längst überschritten und Hilfeleistungen, die gegeben werden, scheinen doch oft in ihrer Wirkung wie Tropfen auf einem heißen Stein zu verdampfen, und das ist frustrierend. Es führt dazu, dass Menschen die Lust an aktiver Hilfe am Nächsten verlieren. Aber gerade diese Tropfen der Nächstenliebe sind es doch, die irgendwann nicht mehr verdampfen, wenn sie nur reichhaltig ausgegossen werden. So reichhaltig, dass nichts und niemand ihr Fließen aufhalten kann und sie jegliche Not und alles Elend, mit dem wir uns tagtäglich auseinandersetzen müssen, hinwegschwemmen. Eine Utopie mag mancher nun denken, ein Wunschtraum, den wir alle nicht erleben werden. Und gerade da sehe ich aber unsere Chance! Schauen wir zurück in die Geschichte unserer Welt, so haben sich immer wieder Menschen begeistern lassen von Gottes Froher Botschaft, haben sich mutig eingesetzt und die Welt in Bewegung gebracht. So sehr in Bewegung, dass es manchmal schon beängstigend schien im Blick auf den vermeintlichen Ausgang. Aber sie haben gehandelt, waren mutig und sicher, dass ihr Tun richtig ist, weil sie sich berufen fühlten. Denn Gottes Wort hatte sie erreicht und berührt. So konnten sie anders handeln, anders leben, weil sie nun eine große Hoffnung in sich trugen. Diese Hoffnung war und ist dabei begründet in Gottes Zusage, dass die Mächte dieser Welt nicht das letzte Wort behalten werden. Alles Leid, alle Not, die wir sehen und selber erleben, wird einen guten Ausgang nehmen, weil uns Gott versprochen hat: „Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“