1. Meinung

Nikolaus und Trier

Glaube im Alltag : Nikolaus und Trier

Am heutigen Nachmittag und frühen Abend sind sie wieder im ganzen Land zu sehen: als Bischof Nikolaus verkleidete Menschen, die meistens Familien mit Kindern besuchen. Unter den zurzeit herrschenden Corona-Bedingungen werden das sicher keine Hausbesuche wie sonst sein, sondern Begegnungen an der Haustür oder unter dem Carport - auf jeden Fall im Freien.

Um den Heiligen Nikolaus hat sich der Brauch gebildet, schon am Vortag solche Besuche zu machen. Dahinter steckt die Legende, dass er mit Gaben Menschen in einer Notlage geholfen hat. Das war etwa eine Mitgift gewesen, ein Getreideankauf für eine ganze Stadt und vieles andere mehr...

Wichtig ist die innere Haltung von Bischof Nikolaus, die dadurch zum Ausdruck kam: Menschen in Notsituationen zu helfen und ihnen eine Freude zu machen.

Es ist mir zunächst schwer gefallen, eine Verbindung zwischen dem heiligen Nikolaus und der Amok-Fahrt vergangenen Dienstag in Trier zu finden.

Aber im Nachdenken darüber, welche Menschen in welcher Weise davon betroffen sind, wen ich persönlich davon kenne, und welche Nachwirkungen dieses Geschehen für jede*n einzelne*n hat, ist mir deutlich geworden: Nicht nur die akute Hilfe direkt nach der Amok-Fahrt, sondern auch die Nachsorge in den Tagen danach und in den kommenden Wochen, Monaten oder Jahren bringen eine Haltung zum Ausdruck, die auch durch Bischof Nikolaus deutlich wurde.

Was jetzt im Stillen geschieht, sind persönliche Vier-Augen-Gespräche, schriftliche Grüße, E-Mails, Telefonate, gemeinsame Spaziergänge zur Aussprache … Und immer wieder: Zuhören. Alles Hilfen, die die betroffenen Menschen in ihrer Not unterstützen und ihnen die Erkenntnis und Freude schenken: ich bin nicht allein gelassen! Und die ihnen dadurch helfen, nach und mit dieser Katastrophe zu überleben.

Die Helfenden, die dabei waren, sind sicherlich behutsam auf die Betroffenen zugegangen und haben so auch im Sinne dieser Haltung von Bischof Nikolaus gehandelt.

Ihnen und allen Einsatzkräften an dieser Stelle ein herzliches „Danke!“