1. Meinung

Pfarrer Johannes Jaax zu Corona, Freiheit und Kirche

Religion : Ausgebremst unterwegs

Es ist Urlaubszeit und viele Menschen sind unterwegs, wollen entspannen und diese freie Zeit genießen und sie erleben: Wir werden ausgebremst. Da waren und sind Grenzen geschlossen, Urlaubsorte nicht zu erreichen, und vor Ort durch Corona alles dichtgemacht.

Und dann die ganzen Auflagen, die ein beschwerdefreies Genießen fast unmöglich machen. Maskenpflicht, Abstandsregeln, eingeschränkte Bewegungsfreiheit, Quarantäne, und wir diskutieren und kämpfen um unsere Freiheit. Dazu die Angst, sich anzustecken. Ist so Erholung, Regeneration überhaupt möglich?

Etwas Ähnliches durchlebt zurzeit die katholische Kirche. Immer schon, so weiß es das Vat II zu sagen, ist Kirche unterwegs als pilgerndes Gottesvolk. So erlebt sich auch das Bistum Trier, will sich auf den Weg machen, will sich erneuern, will, geschüttelt von vielen Krisen, sich in gewisser Weise durch Reformen irgendwie erholen und erlebt: Wir werden ausgebremst. Unserem Bewegungsdrang als Kirche sind Grenzen gesetzt, da gibt es viele Auflagen, da gibt es ein System von Regeln und Gesetzen, und vor allem, da ist die Angst, zu verlieren, all das prägt diese Zeit nach der Bistumssynode und lässt die Frage aufkommen: Ist so Erneuerung möglich? Und wo bleibt da die Freiheit, die zur Grundlage des Glaubens gehört. Immerhin: Ostern ist das Fest der Befreiung.

Parallele Prozesse in Gesellschaft und Kirche lassen die Vermutung zu, dass da auch ähnliche Ansätze bei der Lösung der Probleme dieser Zeit wichtig sind.

Ganz wichtig: die Frage nach der Freiheit. So grundsätzlich das Ja zur Freiheit auch sein muss, so differenziert sollten wir die Frage nach dem Wie ihrer Verwirklichung angehen. Denn jede Freiheit findet ihre Grenze in der Freiheit des anderen. Die eigene Freiheit auf Kosten der Freiheit der anderen auszuleben, kann nicht der richtige Weg sein, wie Leben, wie menschliche Gemeinschaft gelingen kann. Hier gilt es, immer wieder neu zu fragen, wie Freiheit gemeinsam verwirklicht werden kann.