1. Meinung

Rainer Martini zu Weihnachten und Corona

Weinhnachten : „Ich bin in Gedanken bei Dir – Du bist nicht allein!“

Nun ist Heiliger Abend. Denken wir ein Jahr zurück, erinnern wir uns an ein Weihnachten, wie wir es gewohnt waren. Gegenseitige Besuche bei der Familie, Freunden und Bekannten, junge Menschen trafen sich unbeschwert zum etwas anderen Feiern.

Weihnachten 2020 zeigt uns nun, wie rasch sich das Leben einschneidend verändern kann, wie fragil es doch ist und wie wir dazu neigen, uns in trügerische Sicherheit zu wiegen.

Ja – individuelle Einschnitte in das Leben gab es, so lange es Menschen gibt. Krankheit, Arbeitslosigkeit, Trennung und unerwartete Schicksalsschläge oder der Verlust eines geliebten Menschen können jede und jeden von uns auf ganz individuelle Weise treffen. Corona hat jedoch zu einer Situation geführt, die unsere bisherige Vorstellungskraft bei weitem übersteigt. Alles, was eine Gesellschaft, was Kirche und Gemeinden zusammenhält – die Begegnung der Menschen miteinander, das Sich-nahe-Sein, das helfende und vertraute Miteinander, die gemeinsamen Aktivitäten und das gemeinsame Beten – alles das durfte nicht mehr oder nur noch in kleinstem Rahmen stattfinden und erfuhr erst nach und nach erste Lockerungen, die zaghafte Hoffnungen auf bessere Zeiten weckten, nun aber wieder durch die Entwicklung der Corona-Fallzahlen zurückgenommen werden mussten.

Auch das ehrenamtliche Engagement in den sozial-caritativen Gruppen und Diensten zum Wohl der Menschen in besonderen Lebenslagen und Notsituationen litt und leidet unter den Einschränkungen. Immer wieder hören wir, dass viele ältere Menschen die zur schönen Tradition gewordenen und beliebten Begegnungsmöglichkeiten wie Seniorennachmittage oder Spielenachmittage in ihrer Gemeinde schmerzlich vermissen. Den kranken, älteren und einsamen Menschen zu Hause, in den Altenheimen und Krankenhäusern fehlten und fehlen nun wieder die Besuche der Ehrenamtlichen aus den Besuchsdiensten. Hier stehen alle diese freiwilligen Helferinnen und Helfer, die in der bis dahin risikofreien Zeit diese Aufgaben gerne und mit viel Freude übernommen haben, in dem Dilemma zu wissen, wie sehr sich die Besuchten nach dieser Begegnung und Zuwendung sehnen, andererseits sind ihnen – zu Recht – nicht nur die Verantwortung und das Risiko zu groß, die Angebote wieder aufzunehmen - auch bestehende Kontaktbeschränkungen lassen dies oft nicht zu.

Corona zwingt uns gegenwärtig, mit einer neuen, bedrückenden Realität zu leben.

Aber Corona kann in uns auch neue kreative Ideen wachsen lassen, wie wir unseren Mitmenschen, für die wir uns besonders engagierten und engagieren, weiterhin zeigen können: „Ich bin in Gedanken bei Dir, Du bist nicht allein!“ Ich möchte Sie ermutigen, sich nicht von Ihrem ehrenamtlichen und segensreichen Tun „entwöhnen“ zu lassen, sondern sich im Rahmen risikofreier Möglichkeiten mit Einfallsreichtum weiter für Ihre Mitmenschen in besonderen Lebenssituationen einzusetzen. Ein Anruf, ein handgeschriebener Brief, ein kleine an der Tür überreichte Aufmerksamkeit oder vielleicht etwas ganz Anderes – auch hierdurch wird unser Glaube konkret erfahrbar und sichtbar, leben wir den Gedanken „Caritas“ als Dienst am Nächsten im Alltag. Und so erfüllen wir auch den Auftrag von ihm, der heute für uns in diese Welt geboren wurde und der uns allen die Zusage gab: „Ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt“.

Ich wünsche Ihnen gute Gedanken und ein gesegnetes und gesundes Weihnachtsfest sowie Hoffnung und Zuversicht für das kommende Jahr!