Glaube im Alltag: Schatten und Licht

Glaube im Alltag : Schatten und Licht

Wann ging es Ihnen das letzte Mal schlecht? Ich meine so richtig schlecht! Oder: Wie lange ist es her, dass Sie eine Nachricht bekommen haben, die Ihnen den Boden unter den Füßen weggezogen hat?

Es gibt Menschen, die werden lethargisch. Andere verfallen ins genaue Gegenteil, in Aktionismus. Wieder andere baden sich in ihrem Leid und erzählen möglichst vielen Menschen, wie schlecht es ihnen geht. Eine weitere Gruppe hat möglicherweise einen gut funktionierenden Verdrängungsmechanismus.

Jeder hat so seine eigene Art, mit Leid, Unglück, Hiobsbotschaften sowie schweren und unschönen Zeiten, Phasen und Nachrichten im Leben umzugehen. Dabei ist es sicherlich ein Unterschied, ob es einem körperlich oder seelisch, lang- oder kurzfristig, persönlich oder beruflich, direkt betroffen oder indirekt usw. schlecht geht.

Ich kenne viele Menschen, die in solchen Zeiten eine Kerze aufstellen – für sich oder andere. Rein rational betrachtet, mag die Kerze alleine die Situation nicht wesentlich verbessern. Aber sie hält die Erinnerung an das Anliegen wach und daran, dass sich die Situation verändert – wohin auch immer. Sie animiert zu Gedanken, zum Gebet, zur Auseinandersetzung und vielleicht zu einem Arrangement mit dem Problem.

Und nicht zuletzt beinhaltet sie eine tiefe Symbolik: Wo Licht ist, ist auch Schatten! In diesem Fall vielleicht besser umgekehrt: Wo Schatten ist, ist auch Licht! Wenn die Kerze angezündet ist, verbreitet sie unabhängig von der Umgebungshelligkeit Licht. Aber da, wo ihr Licht sich verbreitet, verursacht es automatisch Schatten – das ist eine physikalische Gegebenheit. Für die Schattenzeiten in unserem Leben heißt das aber, dass irgendwo Lichtzeiten sein müssen, sonst wäre der Schatten nicht möglich!

Monika Klas ist Religionslehrerin und zweite Konrektorin an der Realschule plus in Daun.