1. Meinung

Glaube im Alltag: Tempo! Sünder?

Glaube im Alltag : Tempo! Sünder?

Sünderin oder Sünder ist jemand, die oder der sich bewusst gegen Gott entscheidet oder für etwas Böses und dann auch so handelt.

Sich selbst zum Maßstab machen für das Gute und sich damit irgendwie an Gottes Stelle setzen, ist Sünde. Das war jetzt ein bisschen Katechismus; musste aber mal sein …

Und ja: Hoffentlich nur selten entscheide ich mich auch schon mal bewusst gegen das Gute und damit gegen andere Menschen und gegen Gott. Ich bin also ein Sünder.

Aber wenn ich mit zu hohem Tempo auf der Straße geblitzt werde – egal ob das an einer besonders unfallträchtigen Stelle passiert oder sonstwo: Dann habe ich geträumt, war abgelenkt, hatte mich blöderweise angepasst ans Tempo der anderen – aber bewusst gegen das Gute unterwegs oder gar gegen Gott? War ich da eher nicht.

Schon klar: mit hundert Sachen durch Trier – das wäre wohl eine sehr bewusste Entscheidung für ein Abenteuer und für Nervenkitzel auf Kosten anderer Menschen; also für etwas richtig Böses. Wer so rast, wäre tatsächlich ein „Tempo-Sünder“.

Aber für den Alltag und für die Volksfreund-Debatte um die Blitzer und die vielen Tempo-Verstöße reichen doch eigentlich Begriffe aus wie „Raser“ oder „Schnellfahrer“ oder „unangepasste Geschwindigkeit“. Geht auch so!

Oder vielmehr: Geht natürlich gar nicht. Denn jedenfalls muss etwas anders werden – auf der Straße wie auch bei der Sünde. Umkehr heißt das oder Buße. Im Auto: Fuß vom Gas oder sogar auf die Bremse.

Und auch im richtigen Leben könnte das Navi helfen: „Wenn möglich, bitte wenden!“ Anders als auf der Autobahn wäre es im Leben doch sogar spontan möglich: Anhalten, mich neu orientieren, umkehren und in die richtige Richtung weitergehen.

Wir Sünder könnten und sollten umkehren und neu anfangen – am liebsten noch heute: Und im Auto sofort – und viel langsamer als sonst so oft!

Altfried G. Rempe

Pastoralreferent und Redakteur in Trier