Glaube im Alltag: Toleranz als Voraussetzung

Glaube im Alltag : Toleranz als Voraussetzung

Ende 2018 fallen mir besondere Gedenktage ein: Am 8. März gedachten wir mit einem Film in Traben-Trarbach des langen Wegs zum Frauenwahlrecht, vor 100 Jahren in Deutschland, vor 40 Jahren in der Schweiz.

Im November erinnerten wir an die Schicksale der jüdischen Mitbürger zur Zeit der Pogrome  vor 80 Jahren. Mit dem Anne-Frank-Projekt setzte die Theatergruppe Hetzerath einen besonderen Akzent im 950-jährigen Ortsjubiläum. Durch die Ausstellung des Anne-Frank-Zentrums Berlin „Lasst mich ich selbst sein“ führten sachkundig eigens dafür ausgebildete Schüler. In ihren eindrücklichen, zutiefst bewegenden Aufführungen des Tagesbuchs der Anne Frank ließ die Theatergruppe erahnen, wie Anne Frank und ihre Familie rechtlos geworden über zwei Jahre untertauchen musste, ohne der Todesmaschinerie der Nazis entkommen zu können. Hunderte Schüler und Erwachsene setzten sich mit der Entstehung von Diskriminierung und Antisemitismus heute auseinander. Dass in diesen Dezembertagen vor 70 Jahren die Mütter und Väter des Grundgesetzes der Bundesrepublik drei Jahre nach Ende der Terror-Herrschaft die unantastbare Würde und Gleichheit der Menschen formulierten, mutet wie ein Wunder der Erkenntnis, der Scham, der Hoffnung an.

Im Jahr 2019 werden wir die Annahme des Grundgesetzes mit Gewaltenteilung, Religions-, Meinungs- und Pressefreiheit erinnern. Das alles ist etwas, das wir nicht besitzen, sondern täglich als Einzelne, als Gesellschaft verantwortlich zu leben haben. Vor über 20 Jahren formulierte die Unesco ihre Toleranz-Erklärung: Toleranz bedeutet Respekt, Akzeptanz und Anerkennung der Kulturen unserer Welt, unseres Menschseins, in ihrem Reichtum und ihrer Vielfalt. Toleranz ist die notwendige Voraussetzung für den Frieden, für wirtschaftliche und soziale Weiter­entwicklung aller Völker. Toleranz ist der Schlussstein, der die Menschenrechte, den Pluralismus, die Demokratie und den Rechtsstaat zusammenhält. Die Weihnachtsbotschaft vom menschgewordenen Gott und vom Frieden für alle „Menschen guten Willens“ erinnert uns daran.