Glaube im Alltag: Verborgener Gott

Glaube im Alltag : Verborgener Gott

Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche, in der wir Christen uns an die letzten Tage im Leben Jesu erinnern.

Die Begeisterung, mit der Jesus in Jerusalem empfangen wird, schlägt schnell in Hass und Hetze um. Dieser Jesus passt weder in die Vorstellungswelt der politischen und religiösen Machthaber, noch erfüllt er die Hoffnungen vieler einfacher Leute. Gerade auch sie erwarten mehr von ihm, spekulieren auf konkrete gesellschaftliche Veränderungen und verbesserte Lebensbedingungen.

Aber Jesus geht es nicht nur einfach um die Umkehrung der Verhältnisse, nicht um einen Rollentausch. Die Kategorien Über und Unter, Arm und Reich, Gering und Angesehen gelten bei ihm nicht. Jesus will den Menschen damals und zu allen Zeiten von Gottes Liebe erzählen und sie ihnen erfahrbar machen.

Wie damals, so fällt es auch uns heute schwer, angesichts von Krankheit, Ungerechtigkeit, Verleumdung, Gewalt und Terror an diese Liebe und an ein erfülltes Leben für alle in diesem Leben und darüber hinaus zu glauben. In diesen Situationen erscheint uns Gott als einer, der sich aus dem Schlamassel der Welt heraushält.

Die biblischen Texte erzählen, dass auch Jesus mit Gott gerungen hat. Auch er hat gefragt: „Liebst du mich nicht mehr?“

Im Alten Rathaus in Wittlich sind zurzeit Werke des Künstlers Michael Triegel zu sehen. Eines der Kunstwerke heißt „Deus Absconditus“ (Verborgener Gott). Symbolisch aufgeladene Gegenstände sind um die Kreuzigungsszene angeordnet, wobei die Kreuzigung selbst durch ein Tuch verborgen ist. Das Bild sagt mir, dass Gott immer auch ein Geheimnis, der Verborgene bleibt. Die Realität von Leid und Tod ist für uns geheimnisvoll, vieles ist so sinnlos. Warum? Trotzdem können wir es wagen, uns dieser Realität zu stellen. Denn darin zeigt sich Gott als einer, der nicht „nur“ mit, sondern in jedem Not-Leidenden leidet, und in jedem und jeder von uns gegenwärtig ist.

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