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Glaube im Alltag
Was soll ich Dir tun?

Wenn wir heute beim Arzt oder bei einer Firma anrufen, dann stellt sich unser Gegenüber oft nach der Namensnennung mit dem Satz ein: Was kann ich für Sie tun?

Ist das nur so eine Floskel oder steckt da auch mehr dahinter? Bei Hotlines darf man durchaus die Vermutung habe, dass dies eine Redewendung ist, die aus Marketinggründen schnell mal gesagt werden muss. Aber wie ist das in unserem Leben? Wir alle kommen oft in Situationen, wo wir Hilfe nötig haben oder zumindest gut gebrauchen können. Ein freundliches Hilfsangebot kann dann durchaus willkommen sein.Treffen wir dann auf Menschen, die es gut mit uns meinen, uns wirklich auch in unserer Not  wahrnehmen und auch helfen können? Denn sind wir doch ehrlich: Nicht jede Hilfe ist hilfreich und nicht jeder hilft absichtslos. Oft bekommen wir dann eine Hilfe, die uns nicht wirklich weiterbringt oder die uns gar bevormundet. Jesus hilft in den Evangelien ganz vielen Menschen in ihren unterschiedlichsten Notlagen. Die einen heilt er von Krankheiten, andere richtet er durch ein gutes Wort auf und gibt ihnen ihre menschliche Würde wieder, wieder andere befreit er von der gesellschaftlichen Ächtung und lässt sie wieder Gemeinschaft erleben. Interessant ist, wie Jesus hilft. Natürlich sieht er die Not, weiß um sie. Aber er belässt es nie dabei, sondern fragt den Hilfesuchenden immer auch: „Was soll ich Dir tun?“Eine überflüssige Frage vielleicht, denken wir, denn oft ist es allzu offensichtlich, an was der Mensch leidet, der zu Jesus kommt, oder Jesus wusste es schon, weil er die Herzensschau besaß. Der Grund für  dieses Verhalten liegt auch jenseits der reinen Information, sondern hat etwas mit Befreiung und Würde zu tun.Uns allen tut es gut, unsere Not in Worte zu bringen und sie auszusprechen. Und uns allen tut es gut, selbst zu bestimmen, wie, wann und von wem wir Hilfe erbitten. Beides wird durch diese Frage sichergestellt, die Befreiung und die Würde des Bittenden. Denn Helfen mit Würde ist nicht immer so einfach, wie es aussieht.  Schnell kommt dabei einer schon einmal unter die Räder. So ist es gut und richtig, wenn am Anfang die Frage steht: „Was soll ich Dir tun?“

P. Klaus-Peter Backes CM
Vinzentiner