1. Meinung

Von Paul Plehacz: Wichtige Fragen – nicht nur in Coronazeiten

Von Paul Plehacz : Wichtige Fragen – nicht nur in Coronazeiten

In diesen Zeiten fühlen viele sich verunsichert. Manche Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen. Oft passiert genau das, was man nicht erwartet hat.

Es ist auch eine Zeit des Vertrauensverlustes in die Gesellschaft, aber auch in die mit sich selbst beschäftigte Institution Kirche. Bei meiner Suche nach Orientierung bin ich auf eine Geschichte von Leo Tolstoi gestoßen, die deutliche Parallelen zum Samaritergleichnis aufweist: Es war einmal ein König, der von drei wichtigen Fragen geplagt wurde: 1. Wer ist am wichtigsten? 2. Was ist am wichtigsten? 3. Auf welchen Moment im Leben kommt es an? Niemand an seinem Hof konnte diese Fragen beantworten, daher begab der König sich inkognito auf Reisen. Nach vielen Versuchen kam er schließlich bei einem Einsiedler in seiner versteckten, einfachen Klause unter. Als er dabei war auf dem harten Lager einzuschlafen, wurde er von lautem Getöse geweckt. Ein blutüberströmter Fremder war ins Haus eingedrungen und bat eindringlich, ihn vor seinen gewalttätigen Verfolgern zu verstecken. Die beiden Bewohner verbanden seine Wunden und versteckten ihn in einer entfernt liegenden Hütte. Als die Verfolger eintrafen, durchsuchten sie die Klause gründlich, konnten aber niemanden entdecken. Am Morgen fragte der König den Einsiedler, warum er dem Flüchtling trotz der Gefahr für ihr Leben Unterschlupf gewährt hatte. Der Alte antwortete: „Wer in diesem Moment deine Hilfe braucht, ist der wichtigste Mensch auf der Welt. Und das Wichtigste ist, sofort zu handeln und sich um ihn zu kümmern. Der wichtigste Moment also ist das Jetzt.“ Die Umsetzung dieser Anweisungen wird uns in unserem Alltag nicht leicht fallen; denn es erfordert Mut, den sich sofort meldenden „Aber- und Aufschiebegeistern“ zu widerstehen. Eigentlich sollte ich, aber jetzt passt es gerade nicht. Eigentlich sollte ich diesen Menschen anrufen oder besuchen, aber…dass es möglich ist, diese Geister zu besiegen, zeigt uns der Feiertag zum 30- jährigen Jubiläum der deutschen Einheit. Haben nicht die Menschen in der ehemaligen DDR unter Lebensgefahr vor 30 Jahren gemeinsam die Freiheit erkämpft?! Mit ein wenig Mut kann man sein, wer man möchte. Und mit noch etwas mehr Mut kann man sogar sein, wer man ist.