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Glaube im Alltag
Wie ist der Himmel?

"Frau Kluge, ich will nicht in den Himmel, ich nehme das Fegefeuer", erklärt ein Konfirmand neulich. "Warum willst du nicht in den Himmel?" - "Na, im Fegefeuer leidet man, und Schmerzen kann ich spüren, dann lebe ich also. Pfarrerin Vanessa Kluge Trier-Ehrang

Keiner kann mir sagen, wie es sich im Himmel anfühlt", meint er und verschwindet in der Gruppe.
Dieses kleine Gespräch bleibt hängen. Erst macht es mich traurig, weil es mich erinnert an dieses "Ach, so lange die Knochen weh tun, weiß ich, dass ich noch lebe. Was nicht tötet, härtet ab."
Ich brauche Zeit, die andere Frage zu hören: Wie fühlt es sich im Himmel an? Ich könnte mich hinter den Johannesworten verstecken: "Da wird Gott dein Nachbar sein und alle Tränen trocknen. Schmerzen gibt es nicht mehr, und der Tod wird abgeschafft sein." Aber hilft es dem Konfirmanden? Ehrlicherweise müsste ich sagen: Wenn ich an den Himmel denke, dann ist es wie eine liebevolle Umarmung. Ich denke an Menschen, die gestorben sind, und erinnere mich an gemeinsame Erlebnisse.
Dann glaube ich, dass es im Himmel nach Pommes und Kaffee duftet, weil ich beides gerne mit meiner Großtante genossen habe. Da wird Zeit sein, mit meinem Opa zu reden, der zu früh starb und den ich gerne manches gefragt hätte.
Es wird nach dem schweren Altdamenparfüm einer anderen Tante duften in manchen Ecken, auch wenn ich es nie mochte. Es wird die Chance sein, meiner Oma liebevoll sagen zu können, wie sehr mich das "Klavier vorspielen müssen" gequält hat.
Während ich darüber nachdenke, wie sich der Himmel anfühlt, merke ich, dass sich mein Herz weitet und Vergangenes mit dem Hier und Jetzt verschmilzt. Für einen Moment ein Gespür für Ewigkeit. Vielleicht fühlt es sich so im Himmel an. Wohltuend zurechtrückend, liebevoll umarmend.
Pfarrerin Vanessa Kluge
Trier-Ehrang