1. Meinung

Hie wor net keen …

Hie wor net keen …

Es war die Überschrift der Woche. Nachdem bekannt wurde, dass Luxemburgs Generalstaatsanwalt Robert Biever Mitte dieses Jahres mit 66 Jahren in Rente gehen wird, zauberte sie ein Lächeln auf so manches Gesicht in Luxemburg. „Hie wor net keen“ heißt soviel wie „Er war nicht keiner“ – und das war er in der Tat nicht …

Der oberste Procureur, wie man den Staatsanwalt nennt, hatte 1972 als einfacher Affekot - also Anwalt - angefangen. Dass er am Ende seiner Laufbahn zu den berühmt-berüchtigten Bombenleger-Attentaten mit dem Zitat "Et wor net keen" - es war nicht keiner - eine Art Kultstatus erlangen würde, konnte er damals natürlich nicht wissen.

Die Anschlagsserie, mit der in den 1980er Jahren das ganze Land in Angst und Schrecken versetzt wurde, hält auch 30 Jahre später noch Journalisten und Gericht auf Trab. Denn einer muss es gewesen sein!

Jahrzehntelang war niemand ernsthaft um Aufklärung der mysteriösen Bombenattentate bemüht, bis engagierte Luxemburger Journalisten Anfang der 2000er Jahre tiefer wühlten - und Informationen erhielten! Eines Tage prägte der Generalstaatsanwalt dann seinen legendären Satz: Et wor net keen …

Viele standen im Verdacht, dabei gewesen zu sein, vom Bruder des Großherzogs bis hin zu führenden Mitgliedern der Polizei und Geheimdienstlern aus Deutschland.

Eine bis heute nicht ganz geklärte Staatsaffäre, bei der zwei Polizisten angeklagt wurden. Seit Mitte 2014 ist der Prozess ausgesetzt, zu viele Widersprüche schienen mal wieder in eine Sackgasse zu führen - der Staatsanwalt wollte weitere hohe Polizisten und Beamte vor Gericht bringen. Schließlich muss es jemand gewesen sein … Und irgendwann sollte die Wahrheit doch ans Licht kommen. Im Juli geht der Procureur général de l'état nun in Rente. Was dann wohl aus den Bombenlegern wird?