1. Meinung

Immer zum Wohle des Kindes

Immer zum Wohle des Kindes

"... und ich möchte dann auch das Sorgerecht für die Kinder". Dieser Satz fällt immer wieder, wenn sich Eltern trennen oder scheiden lassen. Oft ist nicht bekannt, dass nach dem Kindschaftsreformgesetz beide Eltern das gemeinsame Sorgerecht auch im Scheidungs- und Trennungsfall behalten.

Beim gemeinsamen Sorgerecht kann der Elternteil, bei dem das Kind lebt, Entscheidungen des täglichen Lebens auch ohne Zustimmung des ehemaligen Lebenspartners treffen. Für grundlegend wichtige Entscheidungen wie die Wahl des Kindergartens, Schulbesuch, Ausbildung, religiöse Erziehung und Vermögenssorge ist die Zustimmung des anderen Elternteils erforderlich. Können sich Eltern nicht einigen, muss das Familiengericht entscheiden.
Streiten sich die Eltern, bei wem oder wo das Kind leben soll, entscheidet das Gericht auf Antrag, welchem Elternteil das Aufenthaltbestimmungsrecht zu übertragen ist.

Oft geht es auch darum, dass ein Elternteil das Wohl des Kindes gefährdet sieht, wenn der ehemalige Partner, bei dem das Kind wohnt, mit dem neuen Lebenspartner zusammenzieht. Auch hier kann das Familiengericht zur Klärung herangezogen werden.

Nach dem Kindschaftsrecht ist es aber auch möglich, dass das Sorgerecht auf Mutter oder Vater allein übertragen
wird. Hierzu muss ein Antrag beim Familiengericht gestellt werden. Stimmt der andere Elternteil zu, wird der Antrag positiv entschieden.

Kinder ab Vollendung des 14. Lebensjahres können der Übertragung widersprechen.
Am schwierigsten sind die Fälle, in denen die Übertragung des alleinigen Sorgerechts gegen den Willen des anderen Elternteils beantragt wird. Hier ist nach dem Gesetzestext entscheidend, dass die Aufhebung des gemeinsamen Sorgerechts und die Ausübung des Sorgerechts durch nur einen Elternteil "dem Wohl des Kindes am besten entspricht".

Anwälte, die sich auf bestimmte Rechtsgebiete spezialisiert haben, nennt auf Anfrage die Rechtsanwaltskammer Koblenz unter der Telefonnummer 0261/30335-55 oder der Anwaltsuchdienst im Internet unter www.rakko.de

Der Autor ist Rechtsanwalt in der Kanzlei Hosp Frischbier in Wittlich.