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Islam
Islamverbände sind blamiert und stehen in Bringschuld

FOTO: TV / Schramm, Johannes
Die überarbeiteten Gutachten zu den Islamverbänden in Rheinland-Pfalz sind besonders für den türkischen Moscheenverein Ditib eine Blamage: Wer die Papiere der unabhängigen Forscher liest, muss darüber staunen, welch schlechtes Zeugnis sie dem Verband ausstellen. Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Die Frage nach einer möglichen politischen Einflussnahme des türkischen Staats auf den rheinland-pfälzischen Ditib-Verband, so heißt es da, muss zum jetzigen Zeitpunkt mit Ja beantwortet werden.

Ditib hat nun ein gewaltiges Problem. Wenn der Moscheenverein nicht auf eigenen Füßen stehen kann und künftig nicht ohne staatlich entsendete Imame aus der Türkei auskommt, darf es mit der rheinland-pfälzischen Landesregierung keine Zusammenarbeit geben, der eine Unabhängigkeit von Ditib schon lange vorher illusorisch vorgekommen sein sollte.

Selbst der sonst so besonnen agierende Wissenschaftsminister Konrad Wolf lässt keinen Zweifel daran, dass sich die Islamverbände zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen und frei von politischen Einflüssen sein müssen. Der SPD-Politiker handelt richtig damit, die Verhandlungen momentan nicht wieder aufzunehmen und den gescholtenen Islamverbänden doch ein Hintertürchen offen zu lassen. Die Verbände stehen nun in der Bringschuld, auf die Vorwürfe der Forscher zu reagieren. Für sie ist es eine echte Chance.

Zugleich hat das Land die Aufgabe, islamischen Religionsunterricht in den Schulen weiter voranzutreiben. Mehr als 41 000 islamische Kinder und Jugendliche sollten genauso die Möglichkeit haben, in ihrer Religion unterrichtet zu werden, darüber zu lernen und sich damit auseinanderzusetzen, wie dies bei Schülern mit christlichem Glauben bereits lange der Fall ist.

Künftig eigene islamische Religionslehrer auszubilden, um mehr Unterricht zu gewährleisten, ist ein richtiger Schritt. Und doch bleibt die große Frage offen, ob das am Ende reicht, um einheitlichen, flächendeckenden Islamunterricht in den Schulen zu schaffen. Was passiert, wenn Ditib die Umkehr in den kommenden ein, zwei Jahren nicht gelingt? Macht das Land auch dann den Unterricht von den blamierten Islamverbänden abhängig? Der Islamunterricht würde dann leider in ganz weite Ferne rücken.

f.schlecht@volksfreund.de