1. Meinung

Jenseits der Hochzeit

Jenseits der Hochzeit

Während ganz Luxemburg offiziell der Traumhochzeit von Prinz Guillaume entgegenfiebert und sich das Land selig auf das scheinbar immer mehr zum Jahrhundert-Ereignis ausufernde nationale Event vorbereitet, kämpfen die Luxemburger an anderer Stelle wie gewohnt weiter um ihren Platz in Europa und der Welt. Nehmen wir Yves Mersch, Luxemburgs forschen Zentralbankpräsidenten.

Er wollte so gerne ins Direktorium der Europäischen Zentralbank aufgenommen werden, und Jean-Claude Juncker persönlich hatte ihn vorgeschlagen. Doch leider wollte das Europäische Parlament der Quote wegen gerne eine Frau dort haben. Ob Luxemburgs Premierminister das bei seinem Vorschlag einfach ignoriert hatte - darüber darf spekuliert werden. Es spielt auch keine entscheidende Rolle, aber gut schaut es nicht aus für Herrn Mersch - trotz machtvoller Fürsprachen. Die Parlamentarier wollen noch immer nicht locker lassen: Die Frauen bleiben gefragt. Da hat Luc Frieden, Finanzminister, derzeit bessere Karten: Gerade hat man ihn in Tokio zum Präsidenten des Gouverneursrats vom Internationalen Währungsfonds und der Weltbank gewählt. Das ist gut für Luxemburg - so bleibt das Land auf der internationalen politischen Landkarte und der Einfluss des Finanzplatzes gesichert. Neues Öl in die Debatte um die Sinnhaftigkeit einer internationalen Finanzsteuer gegossen hat diese Woche ein Finanzprofessor aus dem Grossherzogtum, denn Luxemburg kümmert sich mittlerweile auch intensiv um Nachwuchs für Einnahmequelle Nummer eins. Der Professor hat die Idee der Transaktionssteuer als "absolut dumm" bezeichnet - wenig diplomatisch. Aber wenn einige mitmachen und andere nicht, dann bringt es eben nichts, meint er. Elf EU-Staaten hatten sich bereits dafür ausgesprochen. Und Luxemburg? Macht natürlich nicht mit. Solche Steuern ziehen schließlich auch Geschäfte vom Finanzplatz weg - da nimmt man dann wohl lieber den politischen Schaden in Kauf...