1. Meinung

Karriere und Seitwärtsbewegung

Karriere und Seitwärtsbewegung

Es gibt drei Arten, wie Sie sich im Job verändern können: die Aufwärtsbewegung (Beförderung); die Abwärtsbewegung (Degradierung); und die Seitwärtsbewegung (scheinbar der Normalfall).

Ein Wechsel auf derselben Hierarchieebene kann jedoch Fragen aufwerfen, sofern Sie später aufsteigen wollen. Vor allem dann, wenn Sie das Unternehmen gewechselt und sich in keiner Hinsicht verbessert haben - auch nicht dadurch, dass Ihre neue Firma renommierter ist.

Hinter jedem Wechsel stehen Motive. Es gibt zwei Arten: die Fluchtmotivation (jemand läuft davon) und die Anreizmotivation (jemand wird angezogen). Das Davonlaufen erregt den Verdacht, Sie hätten Ihre Arbeit nicht geschafft, sich mit Ihrem Chef gefetzt oder vor der Routine kapituliert. Wer garantiert, dass Sie an einem neuen Arbeitsplatz nicht wieder dieselben Probleme haben? Anziehung heißt: Ein neuer Arbeitsplatz fordert Sie heraus. Wer Karriere machen will, nutzt jeden Wechsel - meist nach drei bis fünf Jahren -, um seine Position und sein Gehalt zu verbessern.

Enthält ein Lebenslauf solche Sprünge nicht, kann daraus abgeleitet werden, dass Sie entweder nicht aufsteigen wollen (mangelnder Wille!) oder nicht aufsteigen können (mangelnde Fähigkeit). Beide Interpretationen müssen kein Nachteil sein - sofern Sie mit Ihrer Position zufrieden und nicht (mehr) aufstiegswillig sind. Andernfalls sollten Sie später in Vorstellungsgesprächen betonen, dass Ihr Wechsel zumindest ein Schritt nach vorne war, wenn schon nicht nach oben. Vielleicht sind Ihre Handlungsspielräume größer, Ihre Aufgaben interessanter oder Ihre Arbeitgeber renommierter geworden. Das kann Seitwärtsbewegungen plausibel machen.

Unser Kolumnist Martin Wehrle (geboren 1970) gehört zu den erfolgreichsten Karriereberatern in Deutschland. Sein aktuelles Buch: "Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus", Econ, 14,99 Euro.