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Klartext
Trotz der ganzen Maulerei

FOTO: Klaus Kimmling / TV
Es wurde ja schon immer gemault. Aber seit jeder seine mehr oder weniger fundierte Meinung in sozialen Netzwerken im Internet kundtun kann, scheint spontane, undifferenzierte und sehr oft nur einem sehr persönlichen Interesse geschuldeten Kritik allgegenwärtig zu sein. Vermutlich gab es auch die Tendenz, alles Neue zunächst für Teufelszeug zu halten, schon immer. Früher hörte es nur keiner. Heute kann es jeder auf Facebook lesen. Fundierter oder stärker am Gemeinwohl orientíert sind diese Positionen deshalb nicht. Von Lars Oliver Ross
Lars Oliver Ross

Beliebte Anlässe zur Äußerung maulend-pessimistischer Meinungen sind größere Projekte in Innenstädten. Dabei ist es egal, ob es um die Veränderung von Verkehrsströmen, um Einkaufzentren oder um die Umgestaltung von Plätzen geht. Auffällig ist bei Facebook-Reaktionen auf große Pläne, dass 90 Prozent ablehnender Natur sind. Interessanter Weise jedoch sind solche Projekt oft lange Jahren in demokratisch gewählten Gremien diskutiert und entschieden worden, die Mitglieder der Gremien wurden zwischenzeitlich wiedergewählt und in sehr vielen Fällen gab es Bürgerforen und sogar für alle zugängliche Workshop zu den Projekten, bei denen 90 Prozent der Teilnehmer den Vorhaben positiv gegenüber standen.

Was also im Internet nach Mehrheit klingt, ist in der realen Welt oft nur eine Minderheit, die sich, obwohl sie inzwischen viel zu ernst genommen wird, doch nicht immer durchsetzt. Denn sonst gäbe es in Bitburg keine Stadthalle, keinen neuen Spittel und keine neue Fußgängerzone, in Wittlich keinen neues Lieserufer, in Prüm keine Neugestaltung des Hahnplatzes und das Kyllufer in Gerolstein bliebe auf ewig Brache. Mein Wunsch an alle Menschen mit Sachkenntnis und konstruktivem Gestaltungswillen ist: Widersprecht in sozialen Netzwerken den Über-Alles-Maulern, überlasst ihnen nicht das Feld. Sie sind oft schnell stillen, da sie echte Debatten meist nicht mögen.