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Klartext
Weihnachtsfrieden der Baggerfahrer

Lars Ross
Lars Ross FOTO: Klaus Kimmling / TV
Vor etwas längerer Zeit, als ich in Trier noch nicht so angekommen, so verwurzelt war, wie heute, gehörte ich auch zu denen, die sich an Weihnachten auf einen meist etwa 200 Kilometer langen Weg machten - entweder zur Familie oder zur Fernbeziehungsfreundin oder zu beiden. Auf der Strecke lief im Radio mindestens einmal das Lied „Driving Home for Christmas“, so glaube ich es zumindest zu erinnern.
Lars Oliver Ross

Ganz sicher bin ich mir, dass dieses eher banale Liedchen, dann tatsächlich so etwas wie - ziemlich sentimentale - Wärme in mir erzeugte: Ein Gefühl von Eingebettet-Sein in ein großes Ganzes, bewiesen dadurch, dass ein ferner, anonymer Radiosender ein Lied spielt, das, ohne dass mich jemand dort kennt, genau zu mir in meinem kleinen Auto im grauen Dezember auf der Autobahn passt. Ich weiß natürlich nach einer Sekunde des Nachdenkens, dass das Lied im gleichen Moment kurz vor Weihnachten zu Hunderttausenden anderen auf den deutschen ebenso passt. Das ändert aber nichts an dem Gefühl und daran, dass ich das Liedchen bis heute mag und dass ich mich freue würde, wenn es gleich gespielt würde, wenn ich auf dem Weg von der Redaktion nach Hause bin.

Ob das gelingt, darf bezweifelt werde: Denn die Zeit, die Radiosender haben, mich mit „Driving Home for Christmas“ im Auto zu überraschen, ist nicht nur im Verhältnis zu früher (ordentliche 2,5 Stunden meistens nach Hessen), sondern auch im Vergleich zu vor einer Woche (lange 40 Minuten von Bitburg oder Wittlich nach Trier) kürzer geworden. Denn es gibt offenbar eine stille Übereinkunft der Straßenbauer dieses Landes, dass zum Fest maximal freie Fahrt herrschen soll, egal ob auf der A1 bei Wittlich, der L141 in Salmrohr oder der B51 am Trierer Berg. Für diesen Weihnachtsfrieden der Baggerfahrer verzichte auch dann auch gerne auf „Driving Home“ im Radio.