1. Meinung

Absprache oder Marktdruck?

Absprache oder Marktdruck?

Wenn das Bundeskartellamt eine Branche unter die Lupe nimmt, wird es für die Wirtschaft oft teuer. Deutschlands größte Kaffeeröster mussten dies in den vergangenen Jahren gleich mehrfach spüren, einmal wurden 30 Millionen Euro Strafe fällig, einmal 160 Millionen Euro.

Anderen Branchen geht es nicht besser: Die Stahlbranche steht fast jährlich im Fokus der Ermittler, im vergangenen Sommer mussten vier Anbieter fast 130 Millionen Euro zahlen, weil sie Preise für Bahnschienen abgesprochen hatten.
Bisher konnte das Kartellamt in den meisten Fällen Konzernen nachweisen, wenn sie sich bei den Preisen abgesprochen haben. Einzig die Mineralölbranche geht den Wettbewerbshütern ständig durch die Lappen, was den Autofahrer ebenso ärgert wie verwundert. Doch das Kartellamt erklärt, das Preisfindungssystem an den Tankstellen ist so, dass es daran nicht rütteln kann.
Nun hat das Bundeskartellamt die Bierbrauer im Visier, und es wird spannend, ob es den Großbrauereien Mauscheleien nachweisen kann.
Die Branche steckt unwidersprochen in einer Strukturkrise. Seit Jahren geht der Bierdurst der Deutschen zurück. 2004 trank jeder Deutsche statistisch gesehen, ob Kleinkind oder Greis, 116 Liter Bier im Jahr. Heute sind es noch knapp 100 Liter, gleichzeitig gibt es aber mehr Brauereien (1350), die sich um die Biertrinker streiten. Den Löwenanteil teilen sich die Top-Marken wie Bitburger, Krombacher, Warsteiner, Beck\'s, Radeberger und Erdinger, die nun wohl auch im Blickpunkt der Wettbewerbshüter stehen. Deutschlands absatzstärkster Bierbrauer Oettinger steht nicht unter Beobachtung. Oettinger setzt seine über sechs Millionen Hektoliter Bier zu Billigstpreisen ab, verzichtet auf Werbung und große Markenpflege, verkauft sein Bier über den Preis. Zwischen diesen beiden Gruppen tummeln sich unzählige Regionalmarken, die zwischen Markenmacht und Niedrigstpreis überleben wollen.
Billigbier oder Markenbier? Der deutsche Biertrinker (anders als der Autofahrer) kann wählen, was er will und wie viel ihm seine Marke wert ist. International spielen die deutschen Brauer keine große Rolle. Unter den 25 weltweit größten Brauereien ist keine deutsche, und die Exportanteile sind nicht mehr als ein leises Ploppen im weltweiten Bierkonzert. Derweil steigen die Kosten für Energie, Transport und Rohstoffe hierzulande und dies bei einer sinkenden Nachfrage. Die deutsche Braubranche steht vor einer weiteren Konsolidierungsrunde. Ob dort einige Verantwortliche den Prozess mit Absprachen her auszögern wollten oder ob der Wettbewerbsdruck auf dem Markt die Brauer lenkt, werden die Wettbewerbshüter herausfinden.
Finden sie ein Haar in der Preissuppe, wird eine Erhöhung in diesem Jahr wohl kaum durchzusetzen sein.

h.waschbuesch@volksfreund.de