1. Meinung

Alarmglocke zur rechten Zeit

Alarmglocke zur rechten Zeit

Die Erkenntnis, dass an deutschen Hochschulen didaktisch vieles im Argen liegt, ist nicht neu. Neu ist, dass diese Einschätzung nicht von Studenten kommt, die man in der standesbewussten Hochschul-Hierarchie ohnehin nicht ernst zu nehmen pflegt.

Diesmal ist es der Wissenschaftsrat selbst, der die Alarmglocke läutet und mit erfreulicher Offenheit sagt, was ganze Studierenden-Generationen am eigenen Leib erfahren haben: dass es viele Hochschullehrer gibt, die zwar furchtbar viel wissen, aber keine Ahnung haben, wie man es anderen beibringt.Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat dieses Problem verschärft. Wenn zusätzliche Ressourcen in Unis und Fachhochschulen hineingeflossen sind, dann aus Drittmitteln der Wirtschaft und aus der Eliteförderung des Staates. Beides stärkt die Forschung und interessiert sich allenfalls als Nebenprodukt für die Lehre - auch wenn es einzelnen, engagierten Professoren gelungen sein mag, zusätzliche Mittel auch für die Qualität der Lehre nutzbar zu machen.

Entsprechend haben sich die Gewichte innerhalb der Hochschulen weiter zu Lasten der Lehre verschoben. Und die hat traditionell ohnehin nicht viel zu bestellen, gilt doch die wissenschaftliche Reputation in Professoren-Kreisen weit mehr als die Akzeptanz bei den Studenten. Da wird noch die letzte Fußnoten-Publikation in einer Fachzeitschrift auf den Seychellen als Ausweis hervorragender Arbeit gehandelt - während Kollegen, die gute Wertungen auf "MeinProf.de" erhalten, in den Verdacht des schnöden Populismus geraten.

Was viele, vor allem an den Unis, noch nicht begriffen haben, sind die Konsequenzen der neuen Studien-Strukturen mit Bachelor- und Master-Abschluss - die, was immer man von ihnen halten mag, kommen. Von den Studenten wird erwartet, dass sie zumindest ihren Elementar-Abschluss zügig, umwegfrei und effizient erwerben. Fast wie in der Schule. Aber dafür braucht man auch Lehrer, die in adäquater Weise unterrichten können. Für den kompetenten, aber kryptischen Prof, bei dem man jede Vorlesung tagelang nacharbeiten muss, um überhaupt zu verstehen, was er sagen will, ist dann schlicht keine Zeit mehr.

Doch bessere Lehre, da hat der Wissenschaftsrat recht, kostet Geld. Genug Personal, bessere Ausstattung, mehr Fortbildung: Das gibt es nicht umsonst. Aber die Politik sollte Investitionen an messbare Qualitätsverbesserungen in der Lehre binden. Und in den Hochschulen müssen einige umdenken.

d.lintz@volksfreund.de