1. Meinung

Alle Trümpfe bei Merkel

Alle Trümpfe bei Merkel

Der morgige Wahl-Triathlon dürfte die letzte Gelegenheit sein, einem dahindümpelnden Wahlkampf eine höhere Drehzahl zu verschaffen. In den Parteizentralen sind die Worthülsen schon vorgestanzt, mit deren Hilfe man versuchen wird, die Ergebnisse aus Sachsen, Thüringen und dem Saarland in Mobilisierungseffekte für die Bundestagswahl zu verwandeln.Dabei sind die Gewichte allerdings höchst ungleich verteilt, vor allem zwischen den Großen.

Die SPD läuft Gefahr, als bundespolitischer Verlierer aus den Landtagswahlen hervorzugehen, völlig egal, ob sie gut oder schlecht abschneidet. Sind die Sozialdemokraten stark genug, um eine Regierungs-Option jenseits der CDU zu eröffnen, dann geht es nur mit der Linken. Und dann hätte Kanzlerkandidat Steinmeier ab Montag eine monumentale "PDS-Debatte" an der Backe. Wer würde ihm abnehmen, dass die Sozis in Berlin die Gysi-Partei verschmähen, wenn sie in Saarbrücken oder Erfurt in ein frisch gemachtes Koalitionsbett steigen, vielleicht sogar als Juniorpartner unter einem Linken-Regierungschef?

Lässt die SPD aber Lafontaine und Co. links liegen und schlüpft in einer großen Koalition bei der CDU unter, nimmt sie sich jeglichen Wechselschwung für Berlin und liefert Linken und Grünen höchst willkommene Oppositionswahlkampf-Munition. Wer im Bund händeringend versucht, sich gegenüber seinem bisherigen Partner zu profilieren, wird durch einen Harmonie-Kurs auf Landesebene nicht überzeugender.

Bleibt die SPD so schwach, dass es auch ohne sie geht, darf sich Angela Merkel über schwarz-gelbe oder schwarz-grüne Impulse aus der Provinz freuen. Kommen große Koalitionen zustande, passt das ideal in Merkels Strategie der präsidialen Wahlkampfverweigerung. Geht aber die CDU an der Saar, Saale oder Elbe über die Wupper, wird sie versuchen, das Debakel auf Landesebene bundespolitisch umzunutzen und die Wahl der Union als einzige Garantie gegen Rot-Rot propagieren - was auch den letzten CDU-Stammwähler an die Urne treiben dürfte.

Steinmeier bleibt der Mut der Verzweiflung und die Hoffnung, ein so richtig knalliges Kippen der Ministerpräsidenten Müller oder Althaus könne seine eigene Wählerbasis euphorisieren.

Über alledem schwebt die Frage, was Landtagswahlen wert sind, wenn sie derart im Schatten bundespolitischer Interessen stehen. Das müssen diejenigen beantworten, die die Urnengänge genau vier Wochen vor die Bundestagswahl gelegt haben.

d.lintz@volksfreund.de