1. Meinung

Ambitioniertes Ziel

Ambitioniertes Ziel

Schnellere Verbindungen. Dar-über haben Politiker schon immer gestritten.

Allerdings ging es im vergangenen Jahrhundert dabei vor allem um den Ausbau von Straßen und etwa um Zug-strecken. Wenn heute von schnelleren Verbindungen die Rede ist, dann ist in aller Regel das Internet gemeint. Ohne schnellen Zugang zum World Wide Web geht heute fast nichts mehr. Nicht im Privaten - und schon gar nicht in der Wirtschaft. Was noch vor ein paar Jahren als ultraschneller Internetzugang galt, wird heute angesichts der zunehmenden Datenflut und komplex aufgebauter Internetseiten als Schneckentempo betrachtet. Die Verbreitung von Smartphones, mit denen man überall und jederzeit ins Netz gehen kann, eine neue Nutzergeneration, die Filme und Serien via Internet dann schaut, wenn sie Lust und Zeit dazu hat und nicht, wenn sie gerade im Fernsehen laufen, aufwendige Spiele, neue Technologien wie Internettelefonie - all das erfordert hohe Übertragungsgeschwindigkeiten.

Aber nicht nur fast jeder Privathaushalt ist heute nahezu komplett digitalisiert. Vor allem die Unternehmen brauchen im Zuge der Globalisierung heute superschnelles Internet, um Dateien um die halbe Welt schicken zu können. Und zwar nicht nur Großkonzerne, sondern auch mittelständische Firmen im Hunsrück oder in der Eifel. Schnelles Internet ist längst zum Standortfaktor geworden, für die Wirtschaft ebenso wie für die Wahl eines Wohnorts.
Fairerweise muss man der Landesregierung zugutehalten, dass sie in den vergangenen Jahren den Internetausbau vorangetrieben hat - auch wenn die CDU-Opposition glauben machen will, ganz Rheinland-Pfalz sei ein Breitband-Entwicklungsland. Es gibt durchaus noch - vor allem in der hiesigen Region - einige weiße Flecken, wo es nur mit sehr viel Geduld ins Internet geht. Doch selbst dort liegen die Übertragungsgeschwindigkeiten heute um ein Vielfaches höher als noch vor fünf Jahren - aber eben längst nicht mehr ausreichend, um den gestiegenen Bedürfnissen gerecht zu werden. Der Ausbau hinkt der technischen Entwicklung hinterher.

Doch die Breitbandversorgung ist teuer. Vor allem in kleinen Dörfern, bis zu denen kilometerlange Kabel verlegt werden müssen. Daher mutet das von Ministerpräsidentin Malu Dreyer bereits vor der Wahl ausgegebene Ziel, bis 2018 alle weiße Flecken im Land beseitigt zu haben, mehr als ambitioniert an. Auch wenn die vermutlich künftigen Koalitionspartner von Dreyer, die FDP und die Grünen, dasselbe Ziel haben, reicht es nicht, das einfach nur zu formulieren. Es muss auch umgesetzt werden. Und es muss klar sein, dass dafür jede Menge Geld in die Hand genommen werden muss.
b.wientjes@volksfreund.de