1. Meinung

An sich selbst gescheitert

An sich selbst gescheitert

Im Februar 2013 ist Heinz Re thage als großer Hoffnungsträger der Landesregierung von Innenminister Roger Lewentz zum Geschäftsführer des Flughafens Hahn berufen worden. 14 Monate später steht der 64-Jährige vor dem vorzeitigen Aus.

Er scheitert an sich selbst.
Zweifellos hat Rethage etwas geleistet. Wenn er sich auf seine kaufmännischen Fähigkeiten konzentriert hat, war ihm Erfolg beschieden. Obwohl das von ihm erarbeitete Sanierungskonzept auch einen schmerzhaften Stellenabbau beinhaltet, hat der Zahlenexperte von dessen Notwendigkeit überzeugt. Selbst der Betriebsrat hat zugestimmt. Die Umsetzung läuft.
Bis zu einem gewissen Grad hat auch das Aufklären funktioniert. Heinz Rethage, überzeugt von persönlichen Bereicherungen ehemaliger Führungskräfte in der Vergangenheit, hat die Dinge so energisch beleuchtet und vorangetrieben, dass die Staatsanwaltschaft eingeschritten ist. Vermutlich konnte es nur einem Außenstehenden wie ihm gelingen, das Geflecht alter Seilschaften so zu durchdringen.
An dieser Stelle beginnt zugleich das Dilemma des Flughafenchefs. Wer sich wie er mit jedem anlegt und anderen rücksichtslos auf die Füße tritt, braucht starke Verbündete. Doch selbst jene, die ihn hätten unterstützen können, hat Rethage mehrfach vor den Kopf gestoßen. Kein Aufsichtsrat dieser Welt lässt es sich auf Dauer gefallen, einfach vom Geschäftsführer übergangen zu werden.
Was noch schwerer wiegt: Der Hahnchef hat im Eifer seines Gefechts Fehler gemacht. Wichtige Unterlagen gegenüber Kontrolleuren zurückzuhalten, aus welchen Gründen auch immer, ist unklug. Das kann sich jemand, der so rabiat auftritt wie Rethage, nicht leisten.
Dass jetzt die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt, weil er den Betriebsrat bespitzelt haben soll, wirft ebenfalls kein gutes Licht auf ihn. Obwohl hier die Unschuldsvermutung gilt, bis das Gegenteil erwiesen ist.
Hätte sich der Flughafenchef auf seine Kernaufgabe konzentriert, den Hahn aus den roten Zahlen zu bringen, wäre nichts angebrannt. Hat er aber nicht. Ihm war es wichtiger, Sherlock Holmes zu spielen. Deshalb blicken er und alle anderen auf ein zerrüttetes Betriebsklima mit ständiger Unruhe, die der Suche nach dringend benötigten Investoren abträglich ist.
Letztlich werden sich Innenminister Roger Lewentz und die Landesregierung die Frage gefallen lassen müssen, ob sie mit Heinz Rethage den richtigen Mann am Flughafen Hahn installiert haben. Trotz dessen beschriebener Verdienste überwiegt eher der Eindruck, dass dies nicht der Fall war.

f.giarra@volksfreund.de