1. Meinung

Aussitzen reicht nicht

Aussitzen reicht nicht

Notorische Antimilitaristen müssen sich dieser Tage ins Fäustchen lachen: Da prügeln sich der Verteidigungsminister und sein ehemals wichtigster General vor den Augen der Öffentlichkeit wie die Kesselflicker, da sickern Tag für Tag vertraulichste Informationen über militärische Vorgänge an die Öffentlichkeit, da hauen sich Alliierte gegenseitig in die Pfanne.

Darüber könnte man sich amüsieren, wären da nicht die Soldaten in Afghanistan, denen das alles vorkommen muss wie der blanke Hohn.

Die Situation ist letztlich entstanden, weil von Anfang an versucht worden ist, die Vorgänge in Kundus zu verschleiern, unter den Teppich zu kehren und hinter verschlossenen Türen nach Gutdünken abzuwickeln. Ob das von der Politik oder dem Militär ausgegangen ist, weiß bis heute niemand. Wie man überhaupt kaum etwas weiß. Das leistet den ins Kraut schießenden Spekulationen Vorschub. Wir sind nicht mehr in den Zeiten des Oberkommandos der Wehrmacht, wo Wahrheit und Informationsfluss der militärischen Bedarfslage angepasst wurden.

Zumal es, wie aktuelle Umfragen zeigen, gar keinen Grund gibt, der zivilen Öffentlichkeit im Lande zu misstrauen. Die Bürger wollen keine Schuldigen präsentiert bekommen und kein politisch motiviertes Schlachtfest erleben. Aber sie wollen schlicht wissen, was passiert ist. Wie es zu den Vorgängen in Kundus kommen konnte. Wie die aktuelle Handlungs-Maxime der Deutschen in Afghanistan ist. Und sie wollen es nicht von irgendwem wissen, sondern von der Politik-Chefin dieses Landes.

Angela Merkel käme mit Klartext auch ihrem Kabinetts-Jungstar zu Hilfe. Minister zu Guttenberg steckt derzeit Prügel für andere ein. Er hat den Fehler gemacht, zu schnell und vorauseilend eine buchstäbliche General-Absolution zu erteilen, die er bei näherem Hinsehen nicht durchhalten konnte. Aber diesen Fehler hat er bemerkenswert zügig und schonungslos korrigiert. Und er ist weder für den Angriff in Kundus und die ihm zugrunde liegende politische Linie verantwortlich noch für die Vernebelungstaktik hinterher.

d.lintz@volksfreund.de