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Meinung: Pro Trainingsflüge
Bedauerlich, aber notwendig

FOTO: TV / Friedemann Vetter
Ist der Kalte Krieg wirklich vorbei? Oder ist es, wie manche Experten behaupten, vielmehr nicht so, dass er in den 1990er Jahren wieder begonnen hat? Und zwar als Reaktion darauf, dass die Entwicklung in Russland nicht so verlief, wie es sich westliche Nationen erhofft hatten? Von Thomas Roth

Ist der Kalte Krieg wirklich vorbei? Oder ist es, wie manche Experten behaupten, vielmehr nicht so, dass er in den 1990er Jahren wieder begonnen hat? Und zwar als Reaktion darauf, dass die Entwicklung in Russland nicht so verlief, wie es sich westliche Nationen erhofft hatten?

Russland ist keineswegs eine Demokratie. Der einst als „lupenreiner Demokrat“ geadelte Wladimir Putin hat seine Macht mit allen Mitteln gefestigt, politische Rivalen ausgeschaltet und das Militär wieder gestärkt.

Das eine ist die Aufrüstung, das andere das Handeln. Und genau dabei zeigte Putin am Beispiel der  Ukraine, wie er die Dinge regelt, wenn ein Land schwach ist und er russische Interessen verletzt sieht. Erst gab es ein großes Manöver, kurz danach Berichte über das Eingreifen russischer Militärs in den Konflikt und dann die Annexion der Krim.

Wer gegenüber Putin Schwäche zeigt, wer ihn und die vielen Politiker in Russland, die über einen militärischen Konflikt zwischen der Nato und dem eigenen Land nachdenken, nicht ernst nimmt, der erhöht die Gefahr weiterer Annexionen. Immer noch gibt es wichtige russische Stimmen, die das Baltikum als ihren Besitz sehen. Dagegen hilft – so bedauerlich es ist – derzeit nur militärische Abschreckung. Und diese Drohkulisse beginnt – ebenso bedauerlich – mit Trainingsflügen in unserer Region. Natürlich lässt sich über die Zahl streiten – und ebenso wichtig ist es, die wechselseitige Abrüstung wieder in den Blick zu nehmen. Einstweilen sind die Manöver und vor allem die Präsenz der Nato in Polen, Litauen, Lettland und Estland aber ein Beitrag zur Sicherheit in diesen Ländern.


t.roth@volksfreund.de