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Meinung
Beim Tourismus handelt die Landespolitik vorbildlich

Florian Schlecht TV-Foto: Klaus Kimmling
Florian Schlecht TV-Foto: Klaus Kimmling FOTO: klaus Kimmling / TV
Statistiken können im Leben oft trügerisch sein. Wer sie für sich nutzen möchte, greift gerne die Zahlen auf, die auf eigenes Handeln ein gutes Licht werfen. Unliebsames bleibt oft im Schatten stehen. Besonders beliebt ist das Vorgehen in der Politik. Umso beachtlicher ist, dass die Landespolitik – von der Regierung bis zur Opposition – bei den Tourismuszahlen ganz anders verfährt. Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Verführerisch wäre es ja schon, auf jährliche Rekordzahlen zu verweisen und zu behaupten, dass der rheinland-pfälzische Tourismus doch auf hohem Niveau klagt. Stattdessen setzen Wirtschaftsministerium und Parteien lieber das Maßband an, vergleichen die Werte mit denen der anderen Bundesländer und stimmen selbstkritisch überein: Es muss sich was ändern. Dringend.

Denn die anderen Flächenländer hängen Rheinland-Pfalz ab, wenn es um das Wachstum bei Gäste-Zahlen und Übernachtungen geht. Die Politik geht aber noch über den reinen Zustand des Beklagens heraus, erarbeitet Mängel kritisch, mit der Entschlossenheit, Tourismus im Land neu zu erfinden. Die Enquete-Kommission bindet Wirtschaft, Touristiker ein, veranstaltet Anhörungen mit Experten und analysiert schonungslos, wo der Schuh drückt. Auch wenn manche atmosphärische Spannung unter parteipolitischen Mitgliedern noch nicht abgeklungen sind, wie Beobachter berichten, ist das ein verheißungsvoller Weg. Denn gerade junge Abgeordnete haben die Chance, sich mit guten Ideen politische Sporen zu verdienen. Das Wirtschaftsministerium, das selbst im Sommer 2025 seine Tourismusstrategie vorstellen möchte, hat sich inzwischen mit der Kommission arrangiert und will Ergebnisse aus deren Zwischenbericht einfließen lassen.

Natürlich liegt ein langer Weg vor allen Beteiligten, der noch so manche unbequeme Wahrheit mit sich bringen dürfte. Es wird sich zeigen, inwieweit die Touristik landesweit eine mögliche Rheinland-Pfalz-Marke begleiten würde, wenn sie die Sorge treibt, die eigene regionale Linie könnte verblassen. Es wird dem Land angesichts der Schuldenbremse nicht möglich sein, jeden maroden Betrieb zu retten. Zugleich liegt es auch an Unternehmern, ob sie kreative, digitale Ideen entwickeln – und ob sie diesen Weg überhaupt mitgehen wollen.

Und auch Reformen alleine dürften Rheinland-Pfalz nur schwer vom Tabellenkeller in die Spitzengruppe hieven. Bundesländer wie Schleswig-Holstein, Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern profitieren von ihren Stränden. Und auch der boomende Städtetourismus wird im Land kaum spürbar bleiben, da es gerade mal fünf Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern gibt, was in anderen Bundesländern beschauliche Größen sind.

Klar ist dennoch, dass der lange, politische Prozess am Ende zu der Erkenntnis führen muss, dass dem Land der Tourismus mit seiner Milliarden-Wertschöpfung mehr wert ist. An den Ergebnissen müssen sich alle Beteiligten letztlich messen lassen. Doch der Weg, ohne Partei-Allüren nach gemeinsamen Lösungen zu suchen, hat bereits jetzt Vorbildcharakter. Auch für andere Probleme, die das Land lösen muss.

f.schlecht@volksfreund.de