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Meinung
Bewährungsprobe für Kardinal Marx

FOTO: klaus kimmling / TV
Trier. An der geplanten Handreichung der deutschen Bischofskonferenz zur „Kommunion für konfessionsverschiednee Ehepaare“ scheiden sich die Geister. Von Rolf Seydewitz

In der katholischen Kirche ist der Fortschritt eine Schnecke. Reförmchen sind in der 2000 Jahre alten Institution ein mühsames Geschäft, von der Idee bis zum Beginn der Umsetzung vergehen Jahrzehnte, wenn nicht sogar eine kleine Ewigkeit. Umso heftiger werden selbst kleinste Liberalisierungen wie die Zulassung von Protestanten zum katholischen Abendmahl von den Reformern beklatscht; und von den Ewiggestrigen bekämpft.

Das aktuelle Zerwürfnis der deutschen Bischöfe ist ein Rückfall in alte Zeiten und erinnert an den Kampf des erst jüngst verstorbenen Mainzer Kardinals Lehmann für einen Verbleib in der Schwangerenkonfliktberatung. Lehmann und seine Mitstreiter verloren seinerzeit gegen ihre konservativen Mitbrüder in der Bischofskonferenz und in Rom

Das ist im aktuellen Kommunionsstreit nicht zu befürchten. Der Vorsitzende Reinhard Marx weiß in der Auseinandersetzung eine Mehrheit der Mitbrüder hinter sich. Dazu zählen wohl auch die vier Trierer Bischöfe, auch wenn sich die Herren Ackermann, Brahm, Gebert und Peters derzeit einen Maulkorb verpasst haben. Das kann man als Feigheit auslegen – oder als Vorsicht. Denn das Bistum Trier gehört zur Kirchenprovinz Köln, der als sogenannter Metropolit ausgerechnet der „Aufrührer“ Kardinal Woelki vorsteht. Mit dem Kölner Erzbischof will es sich wohl auch der nicht gerade als ängstlich bekannte Trierer Bischof nicht verscherzen. Zudem kommt Ackermann-Vorgänger Reinhard Marx am Wochenende nach Trier. Da sollen keine Misstöne das bevorstehende ökumenische Gipfeltreffen zum Start der Heilig-Rock-Tage stören.

Doch nach dem Fest-Auftakt in Trier ist wieder grauer Alltag. Und Reinhard Marx steht vor dem Hintergrund der gerade erst beginnenden Auseinandersetzung mit den konservativen Spitzenklerikern vor seiner ersten echten Bewährungsprobe als Chef der Bischofskonferenz.

Die normalen Katholiken dürften für die Attacken von Woelki und Co. angesichts kontinuierlich zurückgehender Gläubigenzahlen ohnehin nur Kopfschütteln übrig haben. Während sich „die da oben“ über den Kommunionsstreit munter die Köpfe zerbrechen, ist das gemeinsame Abendmahl an der Basis schon seit langem gelebte und tolerierte Praxis. Dort würden sich die Kritikerbischöfe besser mal umhören, statt nun Rom um Hilfe zu rufen.


r.seydewitz@volksfreund.de