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Corona, Urlaub, Tests: Warum die Ferien die Politik überraschten

Die Woche im Blick : Corona, Schulferien, Tests: Warum Urlaub wieder gewagt ist

Schleierfahndung nach Urlaubern ohne Corona-Tests, hektische Einführung von Maßnahmen: Warum die Politik im Kampf gegen das Coronavirus wieder einmal von den Ferien überrascht wird.

Und wieder kamen die Sommerferien überraschend. Seit 1. August müssen sich Bürgerinnen und Bürger testen lassen, wenn sie aus dem Urlaub im Ausland zurückkehren. Warum 1. August? Das kann niemand erklären. Die ehrliche Antwort ist wohl: Weil die Politikerinnen und Politiker mitten während schon laufender Schulferien in einigen Bundesländern entdeckt haben, dass es das Coronavirus immer noch gibt und die Delta-Variante sich ausbreitet. Das Bedauerliche daran: Der leichte Anstieg der Neuinfektionen war lange abzusehen, die Entwicklung nicht überraschend. Erneut fehlt es vor allem an einem: an vorausschauendem Handeln und einem Plan. Diesmal wurden diejenigen überrascht, die bereits im Urlaub sind oder diesen geplant haben. Sie müssen zudem im Blick haben, ob sich die Einstufung ihres Urlaubsgebietes ändert. Seit heute gelten beispielsweise Teile Frankreichs als Corona-Hochrisikogebiet. Wer von dort einreist, muss sich digital anmelden und – falls nicht geimpft oder genesen – in Quarantäne.

Nicht im Blick ist übrigens, wie groß die Gefahr im Urlaub ist. Denn natürlich gibt es Unterschiede: Wer im abgelegenen Ferienhaus wohnt, hat ein geringeres Risiko als diejenigen, die Partyurlaub buchen oder bei Familienbesuchen den Kontakt aus durchaus nachvollziehbaren Gründen         su­chen. Diese Differenzierung spielt aber keine Rolle, weder bei Maßnahmen noch bei Statistiken. Sie wird schlichtweg verschwiegen.

Mittlerweile ist vieles vorstellbar, was vor zwei Jahren noch undenkbar war: Die Schleierfahndung wird etwa eingesetzt, um Urlauberinnen und Urlaubern ohne Tests auf die Schliche zu kommen. Es wird darüber nachgedacht, nur noch Geimpften oder Genesenen ab gewissen Inzidenzgrenzen den Restaurantbesuch zu gestatten. Und mit Apps und Formularen hinterlassen wir an vielen Stellen unsere Daten.

Was wirklich Angst macht: Die Planlosigkeit führte bisher zu immer mehr Kontrollmaßnahmen. Und wenn bald (überraschend) die Schule wieder anfängt, werden wohl weiter Luftfilter und andere Dinge fehlen, die leicht zu beschaffen gewesen wären. Auch das gehört zur Corona-Bilanz nach mehr als 1,5 Jahren.

t.roth@volksfreund.de