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Covid-19: Wir kämpfen, aber wir sind nicht im Krieg

Die Woche im Blick : Es herrscht kein Krieg!

Der Kampf gegen das Coronavirus geht weiter. Aber: Ist Kampf eigentlich das richtige Wort? Politiker in anderen Ländern verwenden gerne das Wort Krieg – und auch bei uns werden die Diskussionen heftiger.

Krieg: Das bedeutet Waffen, Gewalt und einen Ausnahmezustand, in dem viele Regeln außer Kraft gesetzt werden. In anderen Ländern bedeutet es aber zudem gerade: Alles ist außer Kontrolle, Parlamente sind außen vor, der einzelne Bürger kann sein Recht nicht mehr durchsetzen. In Ungarn kann Viktor Orbáns Regierung gar den Notstand selbstständig verlängern – und der Regierungschef per Dekreten das Land weiter nach eigenem Gusto umbauen. Opposition ist unerwünscht.

Wir sollten uns glücklich schätzen, dass wir uns – trotz der größten Einschnitte in unsere Grundrechte seit dem Zweiten Weltkrieg – nicht im Krieg befinden. Daher ist und muss es weiter erlaubt sein, etwa über die Angemessenheit der Maßnahmen zu debattieren. Und es ist und muss weiter erlaubt sein, einen kritischen Blick darauf zu werfen, wie gut unser Land auf den Umgang mit der Pandemie vorbereitet war und ist.

Da gibt es einerseits einen eklatanten Mangel: Die Diskussion über eine Maskenpflicht ist eine schwierige, gerade weil Schutzausrüstung kaum zu bekommen ist. In unserer Region und in ganz Deutschland nähen sich viele Behelfsmasken für Mund und Nase. Dies vor allem, weil die vor wenigen Monaten noch für einige Cent verkauften Masken mittlerweile teuer gehandelt werden – die hochwertigen mit besserem Schutz sind oft gar nicht mehr zu bekommen.

Andererseits stellen sich die Kliniken immer besser auf, gerade in unserer Region klappt die Zusammenarbeit gut. Ob die Plätze ausreichen? Das weiß derzeit niemand. Aber es gibt keinen Zweifel daran, dass wir in diesem Bereich besser vorbereitet sind als andere Länder.

Und die Wirtschaft? Sie wird leiden, das ist absehbar. Manch einer vermischt nun alles, will gleich die freie Marktwirtschaft abschaffen. Großkonzerne verhielten sich angeblich asozial, weil sie ebenfalls Hilfen beantragen.

Aber es ist nicht die passende Zeit, um Sozialneid aufkommen zu lassen. Derzeit leiden viele genauso: Der kleine Einzelhändler kann ebenso wenig verkaufen wie große Firmen. Und: Es wird bei den Rettungspaketen keine absolute Gerechtigkeit geben können. Dennoch ist es notwendig, immer wieder nachzubessern – kleine und große Firmen im Blick zu haben.

Das ist beim Kampf gegen das Virus und beim Kampf um eine erfolgreiche Zukunft genauso: Sie können nur gemeinsam gelingen. Für Diskussionen muss dabei immer Platz sein, für einen Krieg darf keiner sein. Schon gar nicht für einen Krieg Jung gegen Alt, Reich gegen Arm oder große gegen kleine Firmen.

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t.roth@volksfreund.de