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Meinung
Das Fazit der Bayern-Wahl: Dumm, dümmer, CSU

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München/Berlin. Kein Bundesland ist so erfolgreich wie Bayern. Dynamisch, jung, lebenswert. Die Christsozialen hatten alles. Die Verankerung im Volk. Die absolute Mehrheit. Sie haben es verspielt. Ohne Not und Anlass. Von Werner Kolhoff

Ihr Ergebnis ist das schlechteste seit 1950, als Bayern noch Agrarstaat war. Dumm, dümmer, CSU.

Diese Feststellung gilt uneingeschränkt für die Führung der Partei. Sie gilt eingeschränkt aber auch für die Mitglieder. Wieso hat man Markus Söder und Horst Seehofer nicht davon gejagt, als die beiden das Land mit ihrem eitlen Diadochenkampf monatelang blockierten? Warum hat man Alexander Dobrindt nicht des Feldes verwiesen, als er im Frühsommer rund um die Flüchtlingsfrage die Intrige gegen Kanzlerin Angela Merkel einleitete? Nein, man bewundert die Zampanos im Janker, die auf den bierschwangeren Aschermittwochskundgebungen so derb über die anderen Parteien reden können, dass man sich auf die Schenkel haut. Übrigens sollte die Partei als erste Konsequenz sofort auf diese politische Protz-Schau verzichten oder sie wenigstens umgestalten. Als ein kleines Zeichen, dass man das Signal der Wähler verstanden hat.

Denn der abrupte Absturz der CSU bei der gestrigen Landtagswahl ist die Folge eines unerträglichen Hochmuts. Man hat nach fast 70 Jahren das Regierungsmandat auf Zeit mit einem Erbschein verwechselt. Man hat sich nur noch auf dessen Verteidigung konzentriert und die Veränderungen im Land nicht mehr wahrgenommen. Man hat sich und ganz Deutschland mit Nebensächlichem beschäftigt, von den Zurückweisungen an den Grenzen über die Herdprämie bis zur Pkw-Maut. Man hat sich Intrigen und Querelen ohne Ende geleistet. Und die wirklichen Aufgaben dabei übersehen. Kein demokratischer Staat gehört nur einer Partei. Auch kein Freistaat. Das ist die Botschaft der Wähler.

Dem Land ist zu wünschen, dass die CSU, die ja weiter regieren kann, schnell die richtigen Schlüsse aus dem Desaster zieht. Wahrscheinlich muss die Basis nachhelfen, damit sich die Partei reformiert und auch personell neu aufstellt. Mit konsensorientierten Politikern wie Manfred Weber oder Ilse Aigner an der Spitze. Kooperationsfähigkeit und Sachlichkeit sollten wieder Tugenden weiß-blauer Politik werden. Freilich ist nicht ausgemacht, dass das alles nun geschieht. Die künftigen Koalitionspartner in München und die bisherigen im Bund bekommen es zunächst mit einem angeschlagenen Boxer zu tun, der unberechenbar ist.

Über die SPD, den zweiten großen Verlierer, muss man nicht reden. Jedenfalls nicht mehr in Bayern, wo sie marginalisiert ist. Die Partei wird regelrecht zerrieben. Die überzeugten Sozialisten sind zu den Linken gegangen, die aufgeklärten Bürger zu den Grünen und die Arbeiter zur AfD. Schlimm, katastrophal, SPD. Vielleicht ist das Ergebnis ein Vorbote für ein größeres Beben, das dann auch Andrea Nahles und die große Koalition in Berlin erfassen könnte. In zwei Wochen nach der Hessen-Wahl wird man es wissen.