Das hilft beim Klimaschutz wirklich - Fridays for future lockt in Saarburg und Trier

Kolumne Die Woche im Blick : Am Freitag ist Demo-Zeit

Wer hat nun die erste Demo in Saarburg initiiert? War es Tim Kettenhofen, wie die Polizei vermutet? Ganz sicher hat der 13-Jährige dafür gesorgt, dass die Fridays-for-future-Bewegung am Freitag die Stadt erreicht hat. In Saarburg gingen 200, in Prüm 120, in Trier 2000 Schüler und Erwachsene auf die Straße. Und die Forderungen waren ähnlich: mehr Einsatz für den Klimaschutz und – passend am Black Friday – weniger Shopping-Wahn.

Es lohnt sich, den jungen Menschen zuzuhören. Es lohnt sich aber auch, mit ihnen zu reden und zu diskutieren. Etwa darüber, was für den Klimaschutz weltweit wirklich notwendig ist. Der schnellere Kohleausstieg etwa könnte ein Zeichen sein, dass wir Deutschen es ernst meinen und vorangehen. Er könnte aber ebenso für für höhere Strompreise sorgen. Und er könnte sogar kontraproduktiv sein, wenn wir stattdessen Strom importieren, der in anderen Ländern umweltschädlicher als bei uns produziert wird.

Dazu kommt noch eines: Die Energiewende ist bei uns nicht durchgeplant entwickelt worden. Es ist ein Sammelsurium aus Subventionen für erneuerbare Energien, Kosten für und durch Abschaltungen der Kernkraftwerke und anderer Anlagen entstanden. Das spüren wir im Geldbeutel. Spätestens im nächsten Jahr werden wir Spitzenreiter bei den Strompreisen in Europa sein. Energie ist nirgendwo so teuer wie bei uns.

Das liegt unter anderem daran: Stromverbrauch ist nicht immer planbar, es müssen Reserven vorhanden sein, Strom kann derzeit kaum gespeichert werden. Und Windkraft ist wie Solarenergie schlecht geeignet, ungeplant Strom zu produzieren. Es ist sogar so, dass wir als Verbraucher Geisterstrom für Hunderte Millionen Euro bezahlen müssen. Hier handelt es sich um Entschädigungen für die Betreiber, wenn Windkraftanlagen und andere Kraftwerke abgestellt werden müssen.

Heißt dies, dass Fridays for future überflüssig ist? Das bestimmt nicht: Aber es ist eben so, dass die Welt und vor allem die Wirtschaft komplexer sind, als mancher denkt. Darauf müssen sich nicht nur Demonstranten einstellen, sondern auch Politiker. Sie dürfen nicht nur das eigene Ressort, nicht nur die eigene Region im Blick haben. Gerade der Blick auf die Wirtschaft lohnt sich. Was wäre etwa, wenn die Stahlproduktion in Deutschland komplett zusammenbricht? Würden andere, allen voran China und die USA, Stahl deswegen in Firmen herstellen, die umweltfreundlicher als unsere sind? Die Antwort kann sich jeder geben.

Es lohnt sich zudem, andere Fragen zu stellen. Etwa, wie wir Klimaschutz in anderen Ländern vorantreiben können. Und wie Technologie dabei helfen kann. Die Investition in Bildung, in Forschung, übrigens auch in Gentechnik, kann für Fortschritt sorgen und außerdem helfen, mit den Folgen des Klimawandels besser umgehen zu können.

Zurück zur Eingangsfrage: Die erste Demo in Saarburg haben möglicherweise die Gewerbetreibenden vor über 20 Jahren gegen ein Einkaufszentrum organisiert. Es gab sie also früher und heute: engagierte Menschen, die überzeugen wollen. Und das ist für unser Land, für unsere Demokratie, ganz sicher eines: wichtig.

t.roth@volksfreund.de