1. Meinung

Das Terror-Virus eindämmen

Das Terror-Virus eindämmen

Der 11. September 2001 hat die Liste menschlicher Abgründe um eine besonders perfide Variante bereichert: den gezielten Massenmord an völlig Unschuldigen, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Je unschuldiger, desto besser.

Je zufälliger, desto wirksamer. Der islamistische Terrorismus ist die Verbindung von Fanatismus, Technik und Globalisierung.
Neu ist auch: Alle früheren Formen des Terrors richteten sich gegen Einzelne oder gegen bestimmte Gruppen, Ethnien und Staaten. Der islamistische Terrorismus aber richtet sich ausnahmslos gegen alle, die nicht Islamisten sind. Übrigens auch in der islamischen Welt, wo der Terror weit vor den Anschlägen von New York begann und wo er auch heute noch fast täglich viele Opfer fordert.
Ein paar Tausend haben den fast acht Milliarden Menschen auf diesem Planeten den Krieg erklärt. Zwar sind ihre Mittel bescheiden. Es war deshalb absolut richtig, nicht panisch in einen inneren Kriegszustand zu verfallen und die eigenen Freiheitsrechte einzuschränken. Aber dennoch hat diese Kriegserklärung unser Leben verändert. Die Angst ist da.
Der islamistische Terrorismus ist wie ein neues Virus. Man kriegt es mit Gewalt nicht weg, weil mehr Fanatiker nachwachsen als man mit Drohnen eliminieren kann. Auch in den eigenen Vorstädten. Die Tat von New York hat ausgestrahlt. Bali, Djerba, London, Madrid. In Norwegen hat ein Rechtsextremer das Verfahren nachgeahmt. Andererseits: Dieses Virus ist nicht wie die Pest, es ist eher wie Aids. Man kann es eindämmen. Man muss es eindämmen. Keine Toleranz den Intoleranten, keinen Millimeter dem radikalen Islamismus, dieser Kultur des Todes.
Der entscheidende Kampf gegen den radikalen Islamismus findet derzeit in Nordafrika und Arabien statt. Es ist dort nicht der Kampf der Kulturen, der nach New York vorschnell prophezeit wurde.
Es ist im Grunde nur die alte, elende Geschichte der Menschheit: die Überwindung von Despotie und Diktatur. Die Durchsetzung von Demokratie, Freiheit und sozialen Rechten. Es geht um Entwicklung gegen Dummheit und Unterdrückung. Es geht auch um einen toleranten Islam.
So schlecht ist die Zwischenbilanz zehn Jahre nach dem 11. September 2001 nicht: Bin Laden ist tot und George Bushs "war on terrorism" endet als Aufbauprogramm für Tunesien, Libyen, Ägypten und demnächst hoffentlich auch Syrien. Bei dieser Anstrengung sollte sich Deutschland übrigens nicht enthalten.

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