Dehoga-Präsident Gereon Haumann gewinnt - und spaltet doch den Gastro-Verband

Die Woche im Blick : Ein Präsident für 11 Jahre

Gereon Haumann ist jemand, der die Öffentlichkeit sucht – das sagen Freunde und Kritiker. Er ist Landesvorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU und Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga.

Bemerkenswert dabei: Haumann ist der einzige Präsident eines Landesverbandes, der diesen hauptamtlich leitet. Ob sich dies für den Dehoga lohnt? Haumanns Unterstützer sagen Ja: Er habe den Verband auf die Beine gebracht und modernisiert. Ob sich dies für Haumann lohnt? Ja, ganz sicher, denn er soll für seine Arbeit bis zu 300 000 Euro im Jahr an Vergütungen und Aufwandsentschädigungen erhalten.

Seit dieser Woche steht fest: Haumann wird wohl für lange Zeit an der Spitze des Verbandes bleiben, denn das Landgericht hat eine Klage gegen eine vorzeitige Amtsverlängerung abgewiesen. Die Kritiker, viele aus unserer Region, hatten sich dagegen gewehrt, dass die Delegierten im vergangenen Jahr die bis 2021 laufende Amtszeit um weitere acht Jahre ausgeweitet hatten. Sie hatten Haumann ausbremsen wollen und sind zumindest vorerst gescheitert. Die Begründung des Gerichts in verkürzter Version: Ja, der Beschluss zur Verlängerung bis 2029 habe gegen die Satzung verstoßen. Und doch sei das rechtens, weil mehr als zwei Drittel dafür gestimmt hatten – und damit die Satzung hätte geändert werden können.

Das Urteil stärkt Haumanns Position. Und doch schadet der Streit insgesamt dem Gastro-Verband: Einerseits, weil einem Langzeitpräsidenten bei elf Jahren ohne Wahlen immer der Ruf eines Alleinherrschers anheften wird. Andererseits, weil der Dehoga gegen die Kritiker unangemessen scharf vorgeht. Dass deren Sprecher Matthias Ganter wegen „verbandsschädigendem und unehrenhaftem Verhalten“ ausgeschlossen worden ist, zeigt die Empfindlichkeiten beim Dehoga und bei Haumann.

Dabei soll der Verband doch die Gaststätten und Hotels insgesamt vertreten. Und er hätte damit genügend zu tun: Die Branche tut sich schwer, Fachkräfte zu finden und Nachfolger an der Spitze der Betriebe. Bei solchen Bedingungen ist ein Verband gefragt, der die unterschiedlichen Interessen zusammenbringen kann und nicht selbst Beteiligter in Konflikten ist.

Und Haumann selbst? Der könnte bei einem Hotel in Horath in den nächsten Jahren wieder einsteigen. Dessen Trägerverein hatte 2017 Insolvenz angemeldet und dies mit Steuernachzahlungen wegen Änderungen des Gemeinnützigkeitsrechts begründet. An der Spitze des Vereins stand über viele Jahre Gereon Haumanns Vater Helmut. Zudem leitete der jetzige Präsident das Hotel lange als Geschäftsführer. Nun hat die Haumann Beteiligungs-GmbH im Versteigerungsverfahren den Zuschlag für das Hotel bekommen. Geschäftsführer der Gesellschaft ist Helmut Haumann. Kommt einem alles irgendwie bekannt vor. Der Vater hat jedenfalls angekündigt, dass ihn sein Sohn unterstützen werde. Damit ist klar: Gereon Haumann wird weiter für Schlagzeilen sorgen – und für eine Debatte, was normales Netzwerken ist und was ungesundes Klüngeln.

t.roth@volksfreund.de