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Die Woche im Blick
Das Fest der Hoffnung und eine verkürzte Debatte

Chefredakteur Thomas Roth
Chefredakteur Thomas Roth FOTO: Friedemann Vetter / TV
Trier. Wie verbringen Sie Ostern? Nachdenklich, fröhlich, besinnlich? Ein Blick auf Osterhase, Ostereier, das höchste christliche Fest und die Diskussionen um den Islam. Von Thomas Roth

Zugegeben, das Wetter macht es in diesem Jahr bisher schwer, Frühlingsgefühle zu entwickeln. Ob die Eiersuche im Garten stattfinden kann, ist ungewiss. Doch eines ist sicher: Viele Menschen feiern zu Ostern. Manche traditionell mit Kirchenbesuchen, manche vor allem, um die Kinder vom Osterhasen überraschen zu lassen, und andere nutzen einfach die freie Zeit, um abzuschalten.

Für Christen ist Ostern das höchste christliche Fest, Jesus hat sich für die Menschen hingegeben und er ist wiederauferstanden. Es ist das Fest der Hoffnung und damit eines, das gerade mit Blick auf Kriege, Krisen und Konflikte aktuell sein sollte. Christen wird deutlich, dass sie selbst ihr Schicksal in die Hand nehmen müssen. Ostern zeigt, dass Gott sich nicht über die Menschen erhoben hat, dass er ihnen sogar seinen Sohn geschickt, in gewisser Weise ausgeliefert hat. Gott hat uns damit die Freiheit gegeben, aber eben auch die Freiheit zu scheitern und Schlechtes zu tun. Heute, da so viel über die christlich-jüdischen Wurzeln unserer Kultur diskutiert wird, ist das Erinnern an Tugenden wie Nächstenliebe und Toleranz wichtig. Haben wir diese im Blick? Oder stellen wir uns über andere? Eine Diskussion über solche Themen ist – nicht nur an Ostern – sinnvoll.

Stattdessen gab es in den letzten Tagen und Wochen eine Debatte über die Aussage, ob der Islam zu Deutschland gehört. Von beiden Seiten lautstark ausgetragen. Von beiden Seiten mit wenig Verständnis für die anderen Argumente. Was es noch komplizierter macht: Es lassen sich für beide Seiten sinnvolle Begründungen finden, allerdings geht es immer darum, ob es um eine beschreibende Aussage geht oder um eine, die sich an Werten orientiert. Eine differenziertere Betrachtung fängt schon mit der Frage an, ob es den einen Islam gibt. Sie ist schnell mit Nein zu beantworten. Möglicherweise etwas hilfreicher könnte die Frage sein, ob der Islam, wie er in den meisten Ländern, in denen seine Anhänger die Mehrheit stellen, gelebt wird, zu Deutschland gehören könnte. Auch wenn die Aussage bereits wieder die Simplifizierung des einen Islam beinhaltet, ist sie ebenfalls schnell zu beantworten: Nochmals mit Nein. Ruud Koopmans, zugegebenermaßen durchaus umstrittener Migrationsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, hat etwa vor kurzem in einem Beitrag für die Tageszeitung Die Welt Fakten zusammengestellt. Dass etwa Glaubensverfolgung vor allem in islamischen Ländern verbreitet ist. Von 24 Ländern, in denen der Abfall vom Glauben bestraft wird, seien 23 islamisch. Koopmans geht aber auch auf Probleme bei uns ein, etwa dass bei Umfragen unter in Deutschland lebenden türkischstämmigen Muslimen 69 Prozent die Auffassung vertraten, der Islam sei anderen Religionen überlegen. Zum Vergleich: Bei Christen liegt diese Auffassung bei weniger als 20 Prozent. Solche und ähnliche Forschungen machen deutlich: Integration ist ein Langzeitprojekt, hier geht es ja keineswegs um Mitbürger, die erst seit kurzem in Deutschland leben.

Die richtige Frage ist daher wohl: Welcher Islam kann zu Deutschland gehören? Die simpel klingende Antwort: Einer, der Respekt und Toleranz gegenüber anderen zeigt. Einer, der sich gegen Fundamentalismus wehrt und die Gleichberechtigung von Mann und Frau anerkennt. Natürlich gibt es auch jetzt schon Anhänger dieses Islams, die sich gegen ausgrenzende Ansichten wehren, die sich für Andersdenkende einsetzen. Diese müssen wir alle unterstützen, vor allem aber müssen auch die muslimischen Gemeinschaften dies tun.

Eines übrigens zeigt sich zu Ostern geradezu sinnbildlich, und das ist – diese Ehrlichkeit muss ebenfalls sein – Teil einer lange dauernden Entwicklung der letzten Jahrhunderte: Das Christentum, wie es bei uns gelebt wird, lässt anderen die Freiheit, zu denken, zu leben und zu handeln, wie sie es wollen. Da ist für Osterhasen, Ostereier und ähnliches Platz. Aber es sollte eben zudem Platz sein für den Glauben an die Auferstehung, schlichtweg an Wunder, die nicht rational erklärt werden können und doch Hoffnung machen.

Ich wünsche Ihnen daher die Kraft, an das zu glauben, was Ihnen wichtig ist, und auch, wenn es möglicherweise einige Stunden zu früh ist, schon jetzt: Frohe Ostern!

t.roth@volksfreund.de