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EU-Parlament
Deutschland in der Pflicht

FOTO: Lichtgut/Leif Piechowski
Nach seinem glanzvollen Start vor knapp einem Jahr erlebt der französische Präsident Emmanuel Macron gerade eine Phase der Ernüchterung. Von Markus Grabitz

Der Präsident schmiert in den Meinungsumfragen daheim ab. Und, das ist noch viel frustrierender für einen Politiker, der sein Schicksal so eng an ein Gelingen des europäischen Projekts geknüpft hat, erfährt, dass ihm auf EU-Ebene manche  die kalte Schulter zeigen. Besonders schmerzlich ist für ihn, der die deutsch-französische Freundschaft wieder mit Leben gefüllt hat, dass die Bundesregierung in Berlin so zögerlich ist. Auffällig war, dass er in seiner Rede im Europaparlament nicht gerade um die Unterstützung der Deutschen gebuhlt hat. Während er früher die Bedeutung der deutsch-französischen Achse mit eindringlichen Worten beschwor, hielt er sich damit diesmal auffällig zurück. Dies kann ein erster Hinweis sein, dass in ihm Zweifel an der Zusammenarbeit mit Angela Merkel keimen. Sicherlich enthält Macrons Reformprogramm für Europa auch Elemente, die vor allem für Frankreich vorteilhaft sind. Aber die Bundesregierung darf es sich nicht leisten, Macron abblitzen zu lassen. Er ist seit langem der erste Staats- und Regierungschef in Europa, der die Bürger für das Gemeinschaftsprojekt begeistern kann. Pro-Europäer müssen in einem politischen Umfeld, in dem Populisten und Europahasser nur auf ihre Chance lauern, zusammen halten.

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