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Die Woche im Blick
Das Auto der Zukunft denkt mit

Die Autoindustrie steht vor riesigen Umbrüchen: Es geht um Antriebe, es geht um Mobilität in Stadt und Land und um das Zusammenspiel von Autofahrten und öffentlichem Nahverkehr. Es geht aber auch um eines: Autos, die möglichst viel selbst übernehmen, die autonomes Fahren ermöglichen und den Menschen eher als Beifahrer sehen denn als Lenker. Von Thomas Roth

In dieser Woche haben Daimler und BMW bekräftigt, diesen Weg gemeinsam gehen zu wollen. Das ist sinnvoll mit Blick auf Tech-Konzerne wie Google oder Apple, die ebenfalls in diesen Bereichen unterwegs sind. Und dieses Zusammenspiel der großen Autofirmen ist vielleicht die einzige Chance, deren Überleben zu sichern. Es ist übrigens damit auch die Chance, diese Industrie in unserem Land als großen Arbeitgeber zu erhalten. Diese Rolle der Autounternehmen im Blick zu behalten, ist wichtig, wenn über neue Regulierungen gesprochen oder leichtfertig argumentiert wird, dass neue Technologien hier genauso aufgebaut werden könnten und diese Firmen als Ersatz für Arbeitsplätze sorgen würden. Der Blick auf die Solarbranche zeigt, dass so manch große Erwartung schnell enttäuscht werden kann. Die großen Solarfirmen aus früheren Zeiten sind bei uns mittlerweile verschwunden oder auf die Entwicklung von Technologien zusammengeschrumpft. Die dazu gehörende Industrie mit vielen Arbeitsplätzen dagegen hat ihren Platz längst in anderen Ländern, etwa in China, gefunden.

Das Aus fürs Auto ist schon öfter vorhergesagt worden. Klar ist aber: Gerade in einer Region wie unserer ist dies selbst in ferner Zukunft kaum vorstellbar. Wer in der Eifel oder im Hunsrück wohnt, weiß das besser als jemand in Trier. Und der Trierer weiß es immer noch besser als ein Berliner. So ist die Diskussion pro und contra Auto eine, die oft die Unterschiede zwischen Stadt und Land deutlich macht. Unterschiede, die sich übrigens auch bei Wahlen zeigen – und das nicht, weil in der Stadt die moderneren Menschen leben.

Das Auto der Zukunft muss und wird anders ausschauen als das von heute. Der Umweltaspekt ist wichtig – und es stimmt, dass Firmen zu lange an ihrer Technologie festgehalten haben. Die Politik hat es ihnen dabei einerseits zu schwer und andererseits zu leicht gemacht. Zu schwer, in dem sie Normen angesetzt hat, die kaum zu erfüllen waren. Zu leicht, weil sie bei der Überprüfung riesige Schlupflöcher ermöglicht hat, etwa beim wirklichen Treibstoffverbrauch. Dass diese genutzt wurden, ist wenig überraschend. Das hat übrigens nichts damit zu tun, dass zumindest einige Hersteller weit darüber hinausgingen und ihre Käufer betrogen haben.

Wenn Autofirmen nun eng zusammenarbeiten, ist das konsequent. Beim vernetzten Fahren etwa müssen sich Fahrzeuge erkennen und bestenfalls austauschen. Wenn die deutschen Unternehmen das vorantreiben, ist dies gut für die Sicherheit und für die Arbeitsplätze. Und wenn die EU, der Bund und die Länder sie etwa bei der Einführung einheitlicher Standards unterstützen, ist dies ein Schritt zum Verkehr der Zukunft und im besten Sinne gute Wirtschaftspolitik.

t.roth@volksfreund.de

FOTO: TV / Friedemann Vetter