1. Meinung

Die amerikanische Todsünde

Die amerikanische Todsünde

Es begann mit einer Riesenlüge an die Welt und wird für die betroffenen Menschen und den Westen zunehmend zu einem nicht enden wollenden Alptraum: der Irak. Vor den Vereinten Nationen log die westliche Führungsmacht USA einst, sie habe sichere Beweise, dass der irakische Diktator Saddam Hussein über Massenvernichtungswaffen verfüge.

Die Folgen sind bekannt. Mit einer sogenannten Koalition der Willigen zogen die Amerikaner in den Krieg, eroberten den Irak, verdrückten sich Ende 2011 dort wieder und regelten - wie so oft, wenn die Vereinigten Staaten intervenieren - nichts! Einzig der Diktator wurde von den Irakern aufgehängt. Ansonsten überließen die Besatzer das Land sich selbst und damit dem Verfall. Keine Infrastruktur, die funktioniert, keine Verwaltung, keine handlungsfähige Regierung, kein geregeltes Leben, kein friedliches Miteinander. Jahrelang stützten die Amerikaner stattdessen eine durch und durch korrupte Regierung, die mit Demokratie so viel zu tun hat wie der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un mit dem christlichen Gebot der Nächstenliebe. Nachdem der unsägliche George W. Bush bereits vor Jahren in Feldherrenmanier auf einem Flugzeugträger stehend verkündet hatte, die Mission Irak sei erledigt, machte sein Nachfolger dann Ernst und zog ab aus diesem verwüsteten, kaputten, völlig zerstrittenen Land, in dem nichts mehr funktionierte. Seitdem ist praktisch Bürgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten, und jetzt kommen die Terrorkämpfer von Isis und wollen einen Gottesstaat in Syrien und dem Irak errichten.
Das ist - vor allem - die Schuld der Amerikaner, deren Außen- und Verteidigungspolitik sich seit Jahrzehnten in erster Linie dadurch auszeichnen, dass man mit Militärinterventionen schnell bei der Hand ist. Nie gibt es eine wirklich tragfähige politische Option, was aus dem Land, in das man einmarschiert, denn werden soll und wie das unter Berücksichtigung der jeweiligen Kultur, Religion und politischen Tradition funktionieren kann. Rein, bomben, raus! Nach diesem Muster läuft das vereinfacht ab. Und der gesamte Westen hängt wieder einmal ganz tief mit drin. Schaut man sich die Landkarte genauer an, dann kann einem angst und bange werden. Irak und Syrien, der Gottesstaat Iran, das Nato-Land Türkei, das zerrissene Israel, die recht- und hoffnungslosen Palästinenser, das chaotische Libyen, der zerbrechliche Libanon und das diktatorische Ägypten - alles liegt dicht beieinander, und jedes für sich ist schon ein Problem. Zusammengenommen ergibt das ein Pulverfass, dessen Sprengwirkung nicht mehr beherrschbar wäre, wenn sich die Dinge weiter zuspitzen. Und die Amerikaner denken schon wieder über Luftschläge nach.
d.schwickerath@volksfreund.de