1. Meinung

Die Brandstifter haben das Sagen

Die Brandstifter haben das Sagen

Vielleicht müssen erst ein paar Raketentrümmer auf einem deutschen Kreuzfahrtschiff landen, damit einem hierzulande noch einmal bewusst wird, was da im Nahen Osten gar nicht so weit weg von uns passiert. Zu oft hat es in den letzten Jahrzehnten zwischen Israelis und Palästinensern gebrannt, zu oft wurden keimende Hoffnungen auf Entspannung enttäuscht.

Irgendwann schaltet man auf den "Kann man eh nix dran machen"-Modus und verdrängt das ganze Thema.
Aber kann die Welt tatenlos zusehen, wenn der Krisenherd Nahost in seinen nächsten Krieg schlittert? Vor allem, wenn man weiß, dass viele andere Konflikte durch diese immer neu aufgerissene Wunde verschärft und gefährlich vorangetrieben werden?
Doch Schlichtung und Interessenausgleich rücken in immer weitere Ferne. Stattdessen verrohen die Sitten und bringen erbärmliche Auswüchse hervor. Die Fundamentalisten auf beiden Seiten gehen inzwischen dazu über, wechselseitig ihre Kinder umzubringen. Die Fernsehbilder zeigen immer mehr hasserfüllte Gesichter, und für Vernunft bleibt kaum Platz.
Dabei darf man vermuten, dass die Mehrheit der Palästinenser wie der Israelis nichts sehnlicher wünscht als Frieden und ein erträgliches Leben ohne Sirenen und Trümmer. Aber die vernünftigen Menschen auf beiden Seiten sind Geiseln der Radikalen und ihrer Eskalations-Strategie. Bombenangriffe aus dem Gazastreifen auf Israel, widerrechtliche Landnahme durch Siedler im Westjordanland, Terroranschläge, militärische Rachefeldzüge: So treiben die Brandstifter, denen nicht an Frieden gelegen ist, sondern an der Vernichtung oder Marginalisierung des Gegners, ihre jeweilige Gesellschaft in eine unaufhaltsame Spirale der Gewalt.
Das gilt für beide Seiten. Es ist müßig, einen Schuldigen zu suchen. Erstens wird man keinen finden und zweitens wäre damit nichts gewonnen. Wenn überhaupt etwas hilft, dann die konsequente Stärkung und Unterstützung gesellschaftlicher Kräfte, die nicht mitmachen wollen in diesem blutigen Spiel.
Mehr kann man von außen nicht tun. Frieden in Nahost wird es erst geben, wenn Palästinenser und Israelis wechselseitig den Anspruch auf ihre Existenz und die dafür notwendigen Lebensgrundlagen anerkennen. d.lintz@volksfreund.de